Die Eisenbahnstrecke Dresden - Leipzig entstand 1839 als erste deutsche Fernbahn
und zweite Bahnlinie des Landes überhaupt. Bereits am 17. März 1834 trafen sich im Leipziger Börsensaal zwölf interessierte Kaufleute und Unternehmer, die am 3.
April ein Eisenbahnkomitee für einen Bahnbau zwischen den beiden sächsischen Großstädten gründeten. Aus diesem ging die private “Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie” hervor, die das Vorhaben in die Realität umsetzte.
Maßgeblich beteiligt war der Volkswirt Friedrich List, der ein Jahr zuvor in seiner Schrift “Über ein sächsisches Eisenbahnsystem als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnsystems” den Bau
eines Netzes von Bahnlinien zwischen den größeren deutschen Städten angeregt hatte.
Nach Diskussionen über die günstigste Streckenführung entschied man sich schließlich für eine Linie von
Dresden-Neustadt über Riesa - Oschatz - Wurzen nach Leipzig und begann mit den Vermessungsarbeiten. Am 1.
März 1836 erfolgte in der Nähe von Machern der erste Spatenstich für den eigentlichen Bahnbau. Als erster Abschnitt
konnte ab 24. April 1837 die Strecke von Leipzig bis Althen befahren werden. Die Arbeiten leitete der junge Ingenieur
Carl Theodor Kunz, der zuvor als Hauptmann der sächsischen Armee und als Wasserbaudirektor tätig gewesen war.
Wenig später begann unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auch in Dresden das Eisenbahnzeitalter. Erstmals fuhr am 19. Juli 1838 ein “Dampfwagen” von Dresden bis zur Station Weintraube (Radebeul-West). Nach Fertigstellung des Eisenbahntunnels von Oberau und der Riesaer Elbbrücke
konnte die Gesamtstrecke am 7. April 1839 durchgängig in Betrieb genommen werden. Die Fahrzeit der Züge betrug anfangs drei Stunden und vierzig Minuten, wobei die
Aufenthaltszeiten auf den Unterwegsstationen allerdings bereits berücksichtigt waren. Zum Einsatz kamen zunächst aus England importierte Lokomotiven. Die von Andreas Schubert 1837/38 in der Übigauer Maschinenbauanstalt konstruierte “Saxonia” (das Foto zeigt einen aus Anlass des 150-jährigen Streckenjubiläums entstandenen Nachbau)
durfte auf Weisung der Bahnoberen keinen der Eröffnungszüge ziehen und geriet durch Sabotage im Bahnhof Priestewitz auf ein falsches Gleis, was einen glücklicherweise glimpflich ausgegangenen Unfall auslöste. Die
Betriebsführung oblag in den Anfangsjahren der privaten Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie. Erst 1876 erwarb
der sächsische Staat die Bahnstrecke und gliederte sie in das Netz der Königlich-Sächsischen Staatseisenbahn ein.
Im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Dresdner Bahnanlagen erfolgten zwischen 1890 und 1901 größere
Veränderungen. So wurde die Strecke im gesamten Stadtgebiet auf Hochgleise verlegt. Seit 1901 verkehrten die Züge
über den neu erbauten Neustädter Bahnhof, während der alte Leipziger Bahnhof seitdem nur noch für die Güter- und
Expressgutabfertigung genutzt wurde. 1945 wurde das zweite Streckengleis demontiert und konnte erst 1967 wieder
durchgängig befahren werden. Mit Beginn des Winterfahrplans 1969/70 begann der elektrische Zugbetrieb zwischen
Dresden und Riesa, der am 28. Mai 1970 auf die Gesamtstrecke ausgedehnt werden konnte. Neben Fernzügen nutzen heute auch die S-Bahnen nach Meißen die Bahnlinie.
Streckenverlauf und Stationen im Dresdner Stadtgebiet: Ihren Ausgangspunkt nahm die Strecke ursprünglich im 1837/39 errichteten Leipziger Bahnhof, der damals noch
außerhalb der Stadtgrenzen auf Neudorfer Flur lag. Hier befanden sich sowohl die für die Abfertigung der Reisenden
erforderlichen Einrichtungen, aber auch Lok- und Wagenschuppen, Güterböden und technische Anlagen für den Bahnbetrieb. Da der Bahnhof bereits nach wenigen Jahren nicht mehr den Anforderungen genügte, wurden 1857
größere Umbauarbeiten vorgenommen. 1890 entschied man sich schließlich für einen kompletten Neubau an Stelle des alten Schlesischen Bahnhofes, der heute als Bahnhof Dresden-Neustadt
bekannt ist. Der alte Leipziger Bahnhof wurde daraufhin am 1. März 1901 geschlossen und die Anlagen nur noch als Güterbahnhof genutzt. Ein Teil der historischen
Gebäude ist jedoch bis zum heutigen Tage erhalten geblieben.
Güterbahnhof Dresden-Neustadt: Im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Dresdner Bahnanlagen, dem Bau der Hochgleisanlagen und des Rangierbahnhofes
in Friedrichstadt entstand ab 1894 zwischen altem Leipziger Bahnhof, Leipziger und Großenhainer Straße der Güterbahnhof Dresden-Neustadt, der am 1. Mai
1902 offiziell in Betrieb genommen wurde. Zu seinen Aufgaben gehörte neben dem Rangierbetrieb für die Güterzüge nach Leipzig und Görlitz auch die Bedienung der
zahlreichen Anschlussgleise zu den hier ansässigen Industriebetrieben sowie zum Neustädter Hafen.
Während des Zweiten Weltkriegs war der Güterbahnhof Ausgangspunkt zweier Deportationszüge, welche sächsische Juden 1942 ins Rigaer Ghetto und 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz brachten. An diese
Ereignisse erinnert eine Gedenktafel am Eingang des Neustädter Bahnhofs.
Auch nach 1945 behielt der Neustädter Güterbahnhofg seine Funktion und wurde
1968 für die Verladung von Containern mit zwei leistungsstarken Portalkränen ausgestattet. Diese waren bis zur Eröffnung des neuen Terminals im Güterverkehrszentrum Friedrichstadt 2005 in Betrieb. Danach verlor der Neustädter Güterbahnhof seine Funktion und
wird heute nur noch als Ausweichmöglichkeit für Güter- und Personenzüge genutzt. Heute beginnen die von Dresden nach Leipzig verkehrenden Züge in der Regel am Hauptbahnhof. Dieser entstand ab
1892 an Stelle des früheren Böhmischen Bahnhofs am Rande der Altstadt und nahm am 18. Juni 1895 seinen Betrieb
auf. Vom Hauptbahnhof führt die Bahnstrecke zunächst im Bogen um die Innenstadt, durchfährt die nur von der S-Bahn genutzten Stationen Freiberger Straße und Bahnhof Mitte und überquert im Anschluss die Elbe.
Haltepunkt Freiberger Straße: Die Station entstand als Umsteigepunkt zwischen S-Bahn und Straßenbahn an der
Unterführung der Freiberger Straße in der Nähe des World-Trade-Centers und wurde im Dezember 2004 eröffnet. Zugänge bestehen sowohl von der Rosen- als auch von der Freiberger Straße.
Bahnhof Mitte: Die vor 1945 als Bahnhof Wettiner Straße bezeichnete Station wurde im Zusammenhang mit der
Umgestaltung der Dresdner Bahnanlagen eingerichtet und 1901 in Betrieb genommen. Ursprünglich besaß sie eine die
Gleisanlagen überspannende Bahnhofshalle, während die Abfertigungsräume und Fahrkartenschalter im Untergeschoss
lagen. 1945 beschädigten Bomben die Halle, die daraufhin 1950 abgetragen wurde. Heute dient der in den letzten Jahren umgebaute Bahnhof Mitte nur noch dem S-Bahn-Verkehr.
Kurz nach Verlassen des Bahnhofes Mitte führt die Strecke über die Marienbrücke. Diese wurde 1852 als kombinierte
Eisenbahn- und Straßenbrücke errichtet und verband damit die beiden wichtigen Fernstrecken von Dresden nach Prag
und nach Leipzig. 1898/1901 entstand neben der alten, heute nur noch als Straßenbrücke genutzten, Marienbrücke eine
zweite Elbüberquerung. Diese wurde am 1. März 1901 gleichzeitig mit der Eröffnung des Neustädter Bahnhofes für den Eisenbahnverkehr freigegeben.Vom Bahnhof Neustadt
verkehren die Züge heute auf einem Hochdamm entlang der Gutschmid- und Röderauer Straße in Richtung Pieschen. Auch diese Gleise entstanden erst nach 1890. Brücken überqueren den Bischofsweg sowie einige
Seitenstraßen und sorgen so für störungsfreie Kreuzungen zwischen Eisenbahn- und Straßenverkehr. In der Nähe des
Pestalozziplatzes ereignete sich am 22. September 1918 das bislang schwerste Eisenbahnunglück in der Dresdner
Geschichte, als ein D-Zug aus Leipzig auf einen auf Einfahrt in den Neustädter Bahnhof wartenden zweiten Zug auffuhr. 38 Tote, 27 Schwer- und dutzende Leichtverletzte waren die tragische Folge. Haltepunkt Pieschen:
Bereits bei Eröffnung der Dresden - Leipziger Eisenbahn kam in Pieschen der Wunsch nach einer eigenen Bahnstation auf. Dieser konnte jedoch erst
1899 in die Realität umgesetzt werden. Maßgeblichen Anteil daran hatte der örtliche Bezirks- und Handwerkerverein, der für die zahlreichen Arbeiter des Stadtviertels
einen Haltepunkt forderte. Neben Fahrkartenschalter und Gepäckannahme gab es früher auch eine kleine “Trinkhalle” für die wartenden Fahrgäste. Heute dient der
Pieschener Bahnhof nur noch dem S-Bahn-Verkehr. Unmittelbar hinter der Station trifft die heutige Strecke auf die Ursprungstrasse vom alten Leipziger Bahnhof, die seit 1901 nur noch von Güterzügen befahren wird.
Haltepunkt Trachau: Obwohl Trachau bereits 1838 mit Eröffnung des ersten Streckenabschnitts von Dresden nach
Radebeul-Weintraube Bahnanschluss erhalten hatte, verweigerte der Gemeinderat zunächst die Einrichtung eines eigenen Haltepunktes. Noch 1877 wurde ein entsprechendes Gesuch des Schankwirts Gebler von den Gemeinderäten
einstimmig abgelehnt. Erst Ende der 80er Jahre bemühte man sich um eine eigene Station. Nach Genehmigung des entsprechenden Gesuchs durch den Sächsischen Landtag konnte schließlich am 1. Mai 1902 der Haltepunkt
Dresden-Trachau eröffnet werden. Dieser wird bis heute von der S-Bahn genutzt. Nach Überquerung der Leipziger Straße erreicht die Bahnstrecke die Stadtgrenze zu Radebeul. |