Ursprünglich gehörte das Gebiet um den Weißen Hirsch zur Frauenkirche, ab 1704 zur
Loschwitzer Kirche. Als Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Gäste den Ort besuchten, entstand der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus. Zu den Förderern des Kirchenbaus
gehörte der kaiserlich-russische Staats- und Kommerzienrat Nikolaus Stange, der für den Bau eine größere Geldsumme stiftete. Zunächst fanden die Gottesdienste jedoch nur in einem
Schulzimmer auf der Luboldtstraße statt. Erst 1888 gründete sich unter Vorsitz des Kammerherren von Unger ein ”Verein für kirchliche Angelegenheiten in Weißer Hirsch”, der
bereits im Oktober den Grundstein für das evangelische Gotteshaus an der Stangestraße legte. Das Grundstück wurde von den Erben Küntzelmanns zur Verfügung gestellt. Eine katholische Kapelle folgte mit der heutigen Hubertuskirche im Jahr 1937.
Das ca. 200 Personen fassende Gebäude wurde teilweise aus Holz errichtet, wobei der Legende nach die berühmte
Kirche Wang im Riesengebirge Pate stand. Jüngere Forschungen können das jedoch nicht bestätigen, da erhebliche
konstruktive Unterschiede zwischen beiden Bauten bestehen. Architekt der neuen Kirche war der Baumeister Ferdinand
Richard Schaeffer. Die Kirche Weißer Hirsch wurde am 14. Juli 1889 eingeweiht und blieb zunächst Filialkirche von
Loschwitz. Erst am 1. April 1897 wurde der Weiße Hirsch eine eigenständige Kirchgemeinde. Im gleichen Jahr erwarb die junge Gemeinde ein Stück Heidewald, um hier einen eigenen Friedhof anzulegen. Bereits sechs Jahre zuvor hatte die Kirche einen ebenfalls von Nikolaus Stange finanzierten 25
Meter hohen Kirchturm erhalten. 1908 erfolgte durch den Dresdner Baurat Schleinitz mit dem Anbau des Querschiffes und dem Einbau einer Empore eine nochmalige Erweiterung des
Gebäudes. Außerdem entstand an der Luboldtstraße ein Gemeindehaus, welches bis heute gesellschaftlich-religiöses Zentrum der Christen des Stadtteils ist.
Das Innere der Kirche ist schlicht gehalten. Interessant ist die Deckenkonstruktion im Kirchsaal mit ihren freiliegenden Balken. Den Altar ziert seit 1960 ein schlichtes Holzkreuz mit Christusfigur (Foto)
. Ursprünglich besaß dieser ein Gemälde Victor von Schuberts mit Darstellung der Kreuzigungsszene. Die 1901 von der Firma Jehmlich geschaffene Orgel besitzt 16 Register mit 1.078 Pfeifen und wurde 1966 komplett erneuert.
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