Straßen und Plätze am Weißen Hirsch

Alexanderstraße

Die Alexanderstraße erhielt ihren Namen vermutlich nach Alexander Wollmer, dessen Schwiegersohn, der Geheime Hofrat Prof. Carl Graff , Ende des 19. Jahrhunderts ein Grundstück an dieser Straße besaß. 1895 ist sie erstmals in Bebauungsplänen verzeichnet und wurde 1897 bis zur Adlerstraße (heute Am Weißen Adler) verlängert.

Da über die Benennung der Alexanderstraße keine Akten existieren, wird der Straßenname verschiedentlich auch mit dem russischen Zaren Alexander oder mit Alexander von Olsufieff in Verbindung gebracht. Zar Alexander hatte sich am 24. April 1813 mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. an der Bautzner Straße getroffen. Alexander von Olsufieff (1763-1838) war königlich-russischer Generalmajor und ab 1811 Gerichtsherr von Wachwitz. Hier setzte er sich als Wohltäter und Stifter für den Bau einer Blinden- und Taubstummenanstalt ein. Bereits 1854 hatte der Loschwitzer Gemeinderat beschlossen, künftig eine Straße nach Olsufieff zu benennen.

Nr. 2: Die landhausartige Villa entstand 1892 als Sommerwohnung des Architekten Carl Ludwig Theodor Graff (1844-1906). Graff, der zuvor u.a. beim Bau des Wiener Opernhauses und des Kunsthistorischen Museums beteiligt war, kam 1874 nach Dresden und übernahm das Direktorenamt der Kunstgewerbeschule. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Weißer Hirsch.

Alojs-Andricki-Straße

Die erst nach 1945 angelegte Alojs-Andricki-Straße wurde am 3. Februar 1987 nach dem früheren sorbischen Kaplan der Hofkirche benannt. Andricki (1914-1943) übernahm nach seiner Priesterweihe 1939 das Amt des Kaplans der Hofkirche und wurde als Gegner des NS-Regimes 1941 inhaftiert. 1943 starb er  im KZ Dachau an Typhus. Seine Seligsprechung erfolgte 2011. Im Zuge der Neubenennung des zuvor namenslosen Weges wurde auch ein kurzes Straßenstück des Straße Am Hochwald der Alojs-Andricki-Straße zugeschlagen.

Am Heiderand

Die 1903 erstmals im Adressbuch verzeichnete Straße hieß ursprünglich Adlerweg, wobei eine alte Flurbezeichnung  Pate stand. Nach der Eingemeindung der Gemeinde Weißer Hirsch erfolgte 1921 die Umbenennung in Am Waldfriedhof, da sich hier seit 1898 der Friedhof des Ortes befindet. Diese Bezeichnung war jedoch nur von kurzer Dauer. Seit dem 1. Juni 1926 ist die Straße nach der angrenzenden Dresdner Heide Am Heiderand benannt. In der Nähe stand einst das Wasserwerk Weißer Hirsch mit Hochbehälter und Wasserturm.

Foto: Haus "Heideröschen" an der Bautzner Landstraße 57/Ecke Am Heiderand

Am Hochwald

Die Straße Am Hochwald wurde um 1900 mit Beginn der Bebauung in diesem Gebiet angelegt und ab 1903 Prinz-Friedrich-August-Straße genannt. 1912 wechselte die Benennung in König-Friedrich-August-Straße, 1924 in Friedrich-August-Straße. Namensgeber war der letzte sächsische König Friedrich August III. Nach der Eingemeindung erhielt sie am 1. Juni 1926 den Namen Am Hochwald. Die ersten Villen entstanden nach 1900. 1937 wurde hier die katholische Kirche St. Hubertuseingeweiht. Das 1910/11 errichtete Gebäude Am Hochwald 2 dient heute als Pfarrhaus der Gemeinde.

Nr. 1 (Villa Waldhaus): Das im historisierenden Landhausstil gestaltete Gebäude (Foto) wurde 1911 von Max Herfurt entworfen und war im Besitz des Zigarettenfabrikanten Hugo Zietz (“Yenidze”), der es jedoch nur als Sommerwohnsitz nutzte. Während des Ersten Weltkrieges befand sich in den Räumen ein Genesungsheim für verwundete Soldaten. 1928 siedelte die Witwe des mittlerweile verstorbenen Unternehmers in die Schweiz über und vermietete die Villa als Wohnhaus. 1945 nutzte zeitweise die russische Kommandantur das Gebäude. Zwei Jahre später bezog der Stadtbezirksbürgermeister Schönlebe in der Villa seine Wohnung. Im Erdgeschoss befand sich ab 1950 die Firma Schaefer & Nobis Nachfolger zur Herstellung von Damenhüten.

Nach Übersiedlung der Firmeninhaber in die Bundesrepublik übernahm die Stadt Dresden das Haus und richtete hier 1962 den Kindergarten “Am Hochwald” ein. Bis 2002 wurde die Villa entsprechend genutzt. Danach bezog die Kindertagesstätte einen modernen Neubau am Nachtflügelweg. Heute dient das Gebäude wieder Wohnzwecken.

An den früheren Besitzer erinnern einige von Josef Goller gestaltete Glasfenster, die den Weg des Tabaks vom Orient bis zum Speicherhaus zeigen. Außerdem finden sich an der Fassade verschiedene künstlerische Darstellungen, darunter Seepferdchen und Eidechsen als Wasserspeier sowie die Reliefdarstellung einer mittelalterlichen Sauhatz. Bemerkenswert sind auch die architektonisch angeglichenen Nebengebäude, die einst Hausmeisterwohnung und Remise beherbergten.

Am Weißen Adler

Die Straße wurde 1891 vom damaligen Inhaber der Gaststätte “Zum Weißen Adler” Wilhelm Richter angelegt und führte zunächst nur bis zur Alexanderstraße. Ursprünglich hieß sie Adlerstraße. 1895 erfolgte die Verlängerung bis zur Preußstraße. Seit dem 1. Juni 1926 wird sie Am Weißen Adler genannt. Sowohl alter als auch neuer Name erinnern an die historische Gastwirtschaft. Das Straßenbild prägen Villen und Ländhäuser aus der Zeit um 1900.

An der Berglehne

Die heutige Straße An der Berglehne wechselte in der Vergangenheit schon mehrfach ihren Namen. Sie entstand 1895 auf Wunsch des Grundstücksbesitzers Ernst Heinrich Metzner. Dieser regte auch die Namensgebung Ferdinandstraße an, wahrscheinlich nach der nahegelegenen Villa Ferdinandshöhe (Nr. 2). Am 1. Juni 1926 erfolgte nach der sächsischen Offiziersfamilie von Kirchbach die Umbenennung in Kirchbachstraße. 1946 erhielt sie nach einer Flurbezeichnung ihren heutigen Namen.

 

Nr. 1: Bemerkenswert ist die um 1897 direkt am Hang errichtete Villa An der Berglehne 1 im Landhausstil (Foto rechts). Dieses Haus wurde nach 1990 saniert und mit einem gläsernen Aufzug an der Hangseite versehen. Neben der Villa führt die “Jahnstiege” hinunter zum Rißweg.

Nr. 2: Die Gebäude Nr. 2, 4 und 8 befanden sich ursprünglich im Besitz des Fabrikbesitzers Carl Dittrich (1853-1918), Inhaber der in Schönlinde (heute Krasna Lipa/Nordböhmen) und Zyrardow (Polen) ansässigen Textilfabriken Hielle & Dietrich. Nach dem Tod Dittrichs verkauften seine Erben 1925/26 ihren Besitz und erwarben stattdessen die gegenüber liegenden Wohnhäuser Kirchbachstraße 7 und 11.

Nr. 4: In diesem Haus war zwischen 1928 und 1929 die Reichsparteischule der KPD untergebracht, an der u.a. Hermann Duncker lehrte und die von Ludwig Renn besucht wurde. 1929 verzog die Einrichtung in eine von einer Schweizer Kommunistin zur Verfügung gestellte Villa nach Fichtenau/Schöneiche. Nach Machtantritt der Nazis nutzte die SA das Gebäude als Schulungsheim.

Nr. 18: Unweit davon befindet sich die Villa “Fuchsbau”, welche ihren Namen nach einer im Garten stehenden Plastik erhielt. Das 1892/93 von Heinrich Metzner erbaute Haus diente dem Schriftsteller Uwe Tellkamp als Vorbild für sein “Tausendaugenhaus” im Roman “Der Turm”.

Bautzner Landstraße

Bergbahnstraße

Chopinstraße

Die Chopinstraße geht auf einen alten Fußweg zurück, den der Besitzer der Gastwirtschaft “Weißer Adler” 1877 zur Erschließung seines Grundstückes anlegen ließ. Zwanzig Jahre später erfolgte der Ausbau zur Anliegerstraße. Diese trug ab 1897 zunächst den Namen Thielaustraße nach dem Eigentümer eines hier gelegenen Grundstücks, dem Amtshauptmann und Geheimen Regierungsrat Ernst Florian von Thielau. Ab 1926 wurde sie nach dem früheren Besitzer des Gutes Weißer Hirsch Roosstraße genannt. Am 11. Oktober 1949 erfolgte anläßlich des 100. Todestages des polnischen Komponisten Frederic Chopin (1810-1849) eine erneute Umbenennung in Chopinstraße.

Zu den markantesten Bauten gehörte das frühere Teuschersche Sanatorium, welches nach 1945 in ein Lehrlingswohnheim bzw. ein Heim der Jugendhilfe umgewandelt wurde. Ein Großteil des Gebäudekomplexes zwischen Chopinstraße und Säugrundweg (Foto um 1920) wurde nach 1990 abgerissen. Auf dem Grundstück Chopinstraße 2-6 entstand ab 2009 eine kleine  Wohnsiedlung mit Mehrfamilien- und Doppelhäusern (“Chopins Garten”).

Collenbuschstraße

Degelestraße

Die Degelestraße erhielt ihren Namen 1897 nach dem Kammersänger Paul Eugen Degele (1834-1886), der Ende des 19. Jahrhunderts als Bariton große Erfolge feierte. Degele besaß ab 1883 das Grundstück Bautzner Landstraße 50 und liegt auf dem Loschwitzer Friedhof begraben. An ihn erinnert auch die Degelequelle im Kurpark. Die Villa “Oskarshamm" (Nr. 1 - Foto), 1897 erbaut und 1913 von Max Herfurt stark verändert, war von 1909 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Besitz der Familie von Brandenstein und wurde nach 1945 als Studentenwohnheim der TU genutzt. Heute hat hier eine Immobilienfirma ihren Sitz. Das Nachbarhaus Nr. 3, 1896 nach Plänen des Architektenbüros Schillig & Gräbner erbaut, sollte um 1970 zum Alterswohnsitz Walter Ulbrichts umgebaut werden. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde es als "Haus Waldpark" als Pension und Erholungsheim genutzt. Heute befindet sich hier ein Schule der Telekom.

  Feinste Christollen

Eichhörnchenweg

Der Eichhörnchenweg wurde in den Zwanziger Jahren direkt am Rand der Dresdner Heide als vom Heideflügel abgehende Stichstraße angelegt. Ursprünglich sollten hier Villen für hohe Offiziere errichtet werden. 1953/55 entstand auf dem Gelände die erste Dresdner Eigenheimsiedlung der Nachkriegszeit. Architekt war R. Coste, der die Häuser zwischen Eichhörnchen- und Eichigtweg geschickt in den vorhandenen Baumbestand eingliederte. Am 8. Februar 1956 erhielt die Straße in Bezug auf den nahen Heidewald ihren Namen Eichhörnchenweg.

Foto: Wohnsiedlung am Eichhörnchenweg

Eichigtweg

Auch der benachbarte Eichigtweg entstand bereits in den Zwanziger Jahren und war ursprünglich für die Bebauung mit Villen des Lahmann-Sanatoriums vorgesehen. 1926 plante zudem die neu gegründete Moor- und Kurbad AG Weißer Hirsch, hier ein achtstöckiges Luxushotel mit Kurpark, Badehaus und einer Abfüllanlage für heilkräftiges Mineralwasser zu bauen. Da das im Kurpark erbohrte Wasser der Paradiesquelle jedoch keineswegs Heilwirkung aufwies und zudem finanzielle Probleme der Gesellschaft zum Konkurs 1931 führten, blieben alle Planungen unrealisiert. Lediglich die offizielle Namensgebung der bisherigen Planstraße 3 erfolgte am 22. Dezember 1937.

Die heutige Bebauung mit Siedlungshäusern stammt aus den 1950er Jahren. Zwischen 1904 und 1940 befand sich auf dem Areal das Luftbad Weißer Hirsch mit Liegehallen und Brausebad. Die hölzernen Baulichkeiten wurden 1946 zur Brennholzgewinnung beseitigt.

 

Fischerstraße

Die Fischerstraße erinnert an den früheren Besitzer des Gasthofs “Weißer Adler”, Gottfried August Fischer (1824–1897). Sie entstand Ende der 1860er Jahre gemeinsam mit der Degelestraße und der Lausitzer Straße. Der Grundstücksbesitzer hatte zuvor für dieses Gebiet einen Bebauungsplan erarbeitet und diesen 1876 nochmals erweitert. Allerdings wurden seine Vorhaben zunächst nur teilweise realisiert. Nach Zwangsversteigerung und Übergabe der Privatstraße an die Gemeinde erfolgte mit Beschluss vom 7. April 1897 die Benennung in Fischerstraße.

Hainweg

Die Namensgebung Hainweg wurde von einem alten Flurnamen abgeleitet. Erstmals ist diese Straße, noch als Hainstraße, 1883 nachweisbar. Zehn Jahre später findet sich in den Gemeindeakten der Hinweis auf den Erwerb eines Straßenschildes "Hainweg", was auf einen Namenswechsel zu dieser Zeit hindeutet. Die meisten Gebäude entstanden kurz vor dem Ersten Weltkrieg, so die Villa "Heiderose" (Nr. 1), die Villa "Waldhaus" (Nr. 3) und der "Margarethenhof" (Nr. 4), der 1910 von Max Herfurt entworfen wurde. Im Haus Hainweg 2 lebte vor 1945 die Witwe Georg Arnholds, Stifter des Arnoldbades.

Heideflügel

Die in der Nähe des “Weißen Adlers” von der Bautzner Landstraße abzweigende Straße ist Teil des Wegenetzes der Dresdner Heide und nur im unteren Abschnitt bebaut. Seit dem 15. Januar 1931 trägt sie offiziell den Namen Heideflügel. Die Gebäude entstanden in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Bemerkenswert ist ein 1930 errichtetes Holzhaus (Nr. 3), welches von der renommierten Fertighausfirma Christoph & Unmack aus Niesky gebaut wurde. Chefarchitekt Konrad Wachsmann gehörte zu den führenden Holzhausspezialisten Deutschlands und entwarf u.a. das Sommerhaus Albert Einsteins am Caputher See.

Heinrich-Cotta-Straße

Die Heinrich-Cotta-Straße erinnert an den bekannten Forstwissenschaftler Heinrich Cotta (1763-1844), der Gründer der Forstlehranstalt in Tharandt war. Ursprünglich war sie Teil eines in alten Stadtplänen als Schneise 15 ausgewiesenen Forstweges. Hier befand sich auch das Eingangstor zum früheren Waldpark (heute Bühlauer Waldgärten). 1936 erhielt sie offiziell ihren Namen. 1953-55 entstand an der Heinrich-Cotta-Straße eine der ersten Eigenheimsiedlungen der Nachkriegszeit in Dresden.

Klinikum Weißer Hirsch: Das Gebäude wurde 1953/54 durch die SAG Wismut als Erholungsstätte für Bergleute des Uranbergbaureviers Freital/Gittersee erbaut. Das Nachtsanatorium verfügte über 200 Betten, die von den Arbeitern zwischen den Schichten genutzt werden konnten, sowie Räume für verschiedene Veranstaltungen. 1961 übernahm die Stadt Dresden das Objekt und richtete hier im März 1963 ein Krankenhaus ein. Der Gebäudekomplex wurde dafür nach Plänen von E. Kubin erweitert und erhielt u. a. einen Kultursaal, der auch von den Bewohnern des Stadtteils genutzt werden konnte. Zunächst befand sich hier ein Teil der Inneren Klinik des Sanatoriums Alpenstraße, ab 1967 auch eine Psychomatische Station mit 30 Betten.

Ab 1972 war das Klinikum Außenstelle des Krankenhauses Dresden-Neustadt. In Zusammenarbeit mit dem Ardenne- Institut wurden hier auch neue Behandlungsmethoden angewandt, die international für Aufsehen sorgten. Nach Modernisierung wird das Krankenhaus heute als Klinikum Bad Weißer Hirsch bezeichnet. Neben der in einem modernen Ergänzungshaus untergebrachten Inneren Station befindet sich im ehemaligen Nachtsanatorium die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Neustädter Krankenhauses.

Hermann-Prell-Straße

Die Hermann-Prell-Straße trug bis zur Eingemeindung nach dem Dresdner Fabrikanten Carl Emil Eschebach (1842-1905)  den Namen Eschebachstraße. Eschebach gründete Ende des 19. Jahrhunderts eine Emaillewaren- und Küchenmöbelfabrik und besaß auf dem Weißen Hirsch ein Sommerhaus. 1922 wurde sie in Erinnerung an den verstorbenen Lehrer an der Kunstakademie Hermann Prell (1854-1922) umbenannt. Prell schuf  u. a. einige Ausmalungen im Albertinum und im Neuen Rathaus und wohnte bis zu seinem Tod in Loschwitz. 

Im Haus Hermann-Prell-Straße 3 lebte bis 1945 der Kammersänger Arno Schellenberg, Mitglied des Ensembles der Staatsoper. Die Villa Elbblick (Nr. 14) wurde 1903 von Theodor Richter für Heinrich Lahmann errichtet. Später befand sich hier ein Reservelazarett und ein Sanatorium des Deutschen Roten Kreuzes. Heute dient das architektonisch interessante Gebäude als Bürohaus. 

 

Fotos: Die Villa Elbblick (Nr. 14) auf historischen und aktuellen Bildern

Villa Tiberius: Zu den markantesten Bauten des Stadtviertels gehört die 1905 für Carl Wilhelm Friedrich Weichardt (1846-1906) errichtete Villa Tiberius am Elbhang (Nr. 5/7). Auf einem Grundstück, welches sich zuvor im Besitz der Kaufmannsfamilie Erckel / Mertens befand, entstand ein burgartiges Landhaus in Anlehnung an antike römische Vorbilder. Weichardt selbst befasste sich zeitlebens intensiv mit der Kunst der Antike und veröffentliche mehrere Publikationen über Pompeji. Für sein Haus ließ er sich von der Villa des römischen Kaisers Tiberius auf einem Bergsporn der Insel Capri inspirieren.

Das zunächst als Villa Waldwinkel bezeichnete Gebäude erhielt eine prachtvolle Innenausstattung mit Bleiglasfenstern und Wand- und Deckengestaltungen im pompejanischen Stil, wobei Weichardt große Teile der Raumdekoration selbst entwarf. In den Dreißiger Jahren zog hier ein Heim für höhere Töchter ein. Nach 1945 zunächst Unterkunft für Ausgebombte und Flüchtlinge, nutzte später die Deutsche Reichsbahn das Haus als Schulungs- und Weiterbildungszentrum. 2000 wurde das Gebäude an einen privaten Investor verkauft, rekonstruiert und diente im Anschluss als Treffpunkt des Internationalen Forums für Kultur und Wirtschaft. Heute befinden sich hier Wohnungen. Im Garten erinnert eine Stele an den Aufenthalt Napoleons am 26. August 1813 auf dem Weinberg.

Nr. 6: Die Villa wurde 1935 für den Fabrikanten Rudolf Anders, Inhaber der Firma “Teekanne” errichtet und von seiner Familie bis 1945 bewohnt. Später lebte der Flugzeugkonstrukteur Brundolf Baade im Haus. In den 1960er Jahren übernahm die DDR-Regierung das Gebäude und nutzte es bis 1989 als Gästehaus für Staatsbesuche. U.a. übernachteten hier Erich Honecker, der kubanische Staatschef Fidel Castro, Koreas Diktator Kim Il Sung sowie der bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Nach 1990 diente das Gebäude als Bürohaus des IFO-Instituts für Wirtschaftsforschung. Im Tausch gegen verschiedene Kunstgegenstände erhielten die Wettiner das Grundstück und verkauften es 2005 an eine Familie. Seit 2006 befindet sich in der Villa die Pension “Villa Weißer Hirsch”.

Nr. 6b: In diesem Haus wohnte zwischen 1946 und 1949 Ignatz Bubis bei seinem Freund und Buchhalter Herbert Teich. Bubis betrieb in Dresden mit Lizenz der sowjetischen Besatzungsmacht eine “Tauschzentrale” und besaß mehrere Läden. Als begeisterter Fußballfreund organisierte er 1949 den DSC-Fußballern um Helmut Schön ihre Übersiedlung nach Westberlin. Wenig später verließ er selbst ebenfalls die Stadt und war später bis zu seinem Tod 1999 Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Nr. 8: Diese Villa (Foto rechts) entstand Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen des Architekten Prof. Georg Schramm für den Kaiserlich-Russischen Staatsrat Maximilian von Meßmacher. Ein im altrussischen Stil gestaltetes Zwiebeltürmchen krönt das 1896 vollendete Gebäude und erinnert an diesen ersten Besitzer, welcher viele Jahre Direktor der Petersburger Kunstschule und sächsischer Botschafter in Russland war.

Nach 1945 diente das Haus zunächst als Künstlerwohnheim, später als Poliklinik, bzw. als Entbindungsheim. 1970 bezog eine Psychosomatische Klinik das Gebäude und nutzte es bis Mitte der 1990er Jahre zur Behandlung neurotischer Erkrankungen. 1997 wurde die Villa saniert und für Wohnzwecke umgebaut.

Nr. 10: Zu den jüngsten Gebäuden gehört das 2005 fertig gestellte Wohnhaus Hermann-Prell- Straße 10. Der ungewöhnlich gestaltete Neubau entstand nach einem Entwurf der Architektin Julia Däfler. Im Erdgeschoss befindet sich das monumentale Wandbild “Der Garten des Wissenschaftlers” von Rocco Pagel.

Villa “Schau ins Land”: Das Grundstück gehörte ursprünglich zum weitreichenden Besitz des Möbelfabrikanten Carl Eschebach. Dieser ließ sich hier vor dem Ersten Weltkrieg von Theodor Richter eine repräsentative Villa errichten. Bewohner waren der Augenarzt Dr. Julius Christoph, ab 1919 die Familie Pötschke-Grunewald. 1994 wurde die Villa denkmalgerecht saniert.

Hietzigstraße

Der Name Hietzigstraße geht auf den Loschwitzer Steinbruchbesitzer Karl Adolph Hietzig (1824-1877)  zurück, der die Straße als Privatstraße zu seinem Grundstück anlegen ließ. Hier ließ er sich ein burgartiges Landhaus erbauen, welches bereits 1873 wieder abgetragen wurde. Hietzig erwarb sich auch Verdienste um die Entwicklung seines Heimatortes.

Küntzelmannstraße

Die frühere Ludwigstraße wurde 1922 nach dem Seifenfabrikanten Ludwig Küntzelmann (1826-1881) benannt. Küntzelmann war Besitzer des Gutes Weißer Hirsch und gilt als Gründer des Kur- und Villenvorortes.  An ihn erinnert ein Gedenkstein an der Bautzner Landstraße. In der Ende des 19. Jahrhunderts im Schweizerstil errichteten Villa Bismarck hatte vor 1945 das Sanatorium Dr. Steinkühler seinen Sitz. Heute dient die Villa als Büro- und Wohnhaus. Weitere Gebäude, so die Villen “Alke” und “Therese” dienten der Unterbringung von Patienten des Lahmann-Sanatoriums.

 

Fotos: Blick in die frühere Ludwigstraße mit der Lahmann-Villa “Therese” (rechts)

Kurparkstraße

Die Kurparkstraße ging aus dem sogenannten HG-Weg, einem alten Heideweg, hervor und hieß bis zur Eingemeindung 1921 Waldparkstraße. Heute wird der frühere Kurpark häufig auch als Rathauspark bezeichnet. Im Haus Nr. 2 wohnte bis zu seinem Tod 1925 Max Elb, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde von Dresden und des Verbandes der israelitischen Religionsgemeinschaften in Sachsen. Elb war Besitzer einer chemischen Fabrik und galt als einer der einflussreichsten Förderer liberalen jüdischen Lebens in der Stadt.

Typisch für die Frühzeit des Kurortes Weißer Hirsch ist das 1885/86 vom Architekten Ferdinand Schaeffer errichtete Landhaus “Waldesruhe” (Nr. 4) im Schweizerstil. Derartige Gebäude wurden einst als Sommeraufenthalt an wohlhabende Bürger vermietet. Schaeffer entwarf auch zahlreiche weitere Häuser am Weißen Hirsch und war einige Jahre als Gemeindevorstand tätig. Im Haus Kurparkstraße 8 (Foto) verbrachte der Vater des berühmten Tenors Richard Tauber seine letzten Lebensjahre.

Lahmannring

Der Lahmannring erhielt seinen Namen 1922 nach dem Gründer des Sanatoriums, Dr. Heinrich Lahmann (+ 1905). Zuvor wurde die Straße als Ringstraße (östlicher Teil bis zur Collenbuschstraße) bzw. Rochwitzer Straße (Abschnitt zwischen Collenbuschstraße und Rißweg) bezeichnet. Hier entstanden zahlreiche Villen für Kurgäste des Sanatoriums. Im Haus Nr. 3 (Foto), ehemals Villa Eschebach bzw. Kurpension Donath, befand sich nach 1945 eine Schule der Konsum-Genossenschaft, später ein Studentenwohnheim. Die Ende des 19. Jahrhunderts als Sommersitz des Industriellen erbaute Villa diente ab 1972 als Kinderheim, heute als Wohnhaus.

Markantestes Gebäude ist die 1911/12 von Max Herfurt erbaute Villa Urvasi (Nr. 17), die bis 1940 als Gästehaus des Lahmann-Sanatoriums diente. Nach 1945 bewohnten sowjetische Offiziere das Haus. Heute nutzt das DRK-Bildungswerk das Gebäude für betreutes Wohnen. Herfurt zeichnete auch für die 1914 fertiggestellte Villa Paira (Nr. 11) und die Wohnhausgruppe an der Ecke zur Collenbuschstraße verantwortlich. Am Lahmannring 19 entstand 1914 das neue Kurbad Weißer Hirsch.

 

Fotos: Die Lahmann-Villen “Urvasi” (links) und “Paira” (rechts)

Lausitzer Straße

Die ehemalige Hermannstraße wurde 1922 in Lausitzer Straße umbenannt. Grund war die Verwechslungsgefahr mit einer gleichnamigen Straße im Stadtteil Strehlen. Im Wohnhaus Hermannstraße 2 wohnte zeitweise die Malerin und Graphikerin Margarete Donath.

Lehnertstraße

Die Lehnertstraße erinnert an den Baumeister Theodor Lehnert (1828-1910), der zahlreiche Gebäude auf dem Weißen Hirsch entwarf. Lehnert war u. a. Schöpfer des alten Gasthofs Weißer Hirsch (1863) und des Fridabades (1867), Vorgänger des Lahmann-Sanatoriums. Bis 1926 hieß diese Straße nach dem sächsischen König Albert (1828-1902) Albertstraße. Da es jedoch in Dresden und mehreren 1921 eingemeindeten Stadtteilen bereits gleichnamige Straßen gab, machte sich eine Umbenennung erforderlich. Dabei entschied man sich zu Ehren des sächsischen Generals Hermann von Broizem (1850-1918) für den Namen Broizemstraße. Broizem wirkte als Militärgeograph und war ab 1900 Generaladjutant König Alberts. Wegen des “militaristischen Bezugs” erfolgte am 1. Juli 1946 die Umbenennung in Lehnertstraße.

Das Gebäude Lehnertstraße 1 entstand 1899 als Villa “Minna” (später Villa “Bertha”) und befand sich im Besitz der Familie Lahmann. Ab 1939 wohnte hier der Chefarzt des Lahmann-Sanatoriums. Nach 1945 wurde die Villa durch sowjetische Offiziere genutzt und beherbergte zeitweise Probenräume des Blasorchesters der Deutschen Volkspolizei. 2008 erfolgte eine  umfassende Sanierung.

In einer weiteren Lahmann-Villa (Lehnertstraße 4) befand sich seit 1953 eine Wochenkrippe. Das Gebäude war 1895 als Villa Mathilde errichtet und 1908 durch Max Herfurt umgebaut worden (Foto).

Luboldtstraße

Die Luboldtstraße wurde vor der Eingemeindung Schulstraße genannt, da sich hier seit 1876 das gemeindeeigene Schulhaus befand. Unweit davon gab es ab 1887 eine “Kinderbewahranstalt”, die zwei Jahre später einen durch Spenden finanzierten Neubau beziehen konnte (Nr. 18). Im Haus Nr. 24 (Foto) wurde 1903 das Rathaus Weißer Hirsch mit Standesamt und Sparkassenfiliale eingerichtet, welches 1911 in einen Neubau an der Bautzner Landstraße umzog. Nach der Eingemeindung erhielt die Straße den Namen des Kommerzienrates Dr. phil. Rudolf August Luboldt.

 

Materniweg

Der Straßenname Materniweg ist vom Dresdner Maternihospital abgeleitet, welches zu den ältesten Sozialeinrichtungen der Stadt gehörte. Hier entstand um die Jahrhundertwende eine von Heinrich Lahmann initiierte Radfahrbahn, auf der die Kurpatienten in der “Kunst” des Fahrradfahrens unterwiesen wurden. Das Institut war eine von drei gleichartigen Einrichtungen auf dem Weißen Hirsch und existierte bis 1906. Im Haus Materniweg 3 wohnte in den 1930er Jahren Karl von Appen, Bühnenbildner an der Semperoper. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Weißer Hirsch.

 

Mönchsholz

Der Name Mönchsholz geht auf einen alten Flurnamen zurück, der 1420 im Zusammenhang mit dem Altendresdner Augustinerkloster entstand. Die Mönche hatten zu diesem Zeitpunkt einen Teil des Heidewaldes auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Weißer Hirsch vom Markgrafen geschenkt bekommen, um hier Holz schlagen zu dürfen. Mit Auflösung des Klosters 1541 fiel die Fläche wieder an den Kurfürsten zurück. 1589 ist das Areal als “Münnicheholtz” in den Urkunden verzeichnet.

In den Zwanziger Jahren entstanden am Mönchsholz zweigeschossige Doppelhäuser einer kleinen Siedlung. Die von Baumeister Paul Müller nach einem einheitlichen Konzept entworfenen Häuser wurden 1927 fertiggestellt und gehörten dem 1911 von Straßenbahnern gegründeten  Spar- und Bauverein Bühlau & Umgebung. Bewohner waren meist Angestellte, städtische Beamte und Handwerker, die ihre Wohnungen später käuflich erwerben konnten. 1993 wurde die gesamte Anlage unter Denkmalschutz gestellt und saniert.

 

Fotos: Wohnsiedlung Mönchsholz

Neugersdorfer Straße

Die Neugersdorfer Straße wurde früher als Grase- bzw. Grenzweg bezeichnet, da hier die Flurgrenze zu Bühlau verlief. Nach der Eingemeindung hieß sie zunächst Danziger Straße, ab 1967 Neugersdorfer Straße.

Oskar-Pletsch-Straße

Die Oskar-Pletsch-Straße erinnert an den Maler und Illustrator Oskar Pletsch (1830-1888), der vor allem mit seinen Illustrationen für Märchen- und Kinderbücher bekannt wurde. Pletsch studierte zwischen 1846 und 1850 an der Dresdner Kunstakademie und lebte ab 1872 in Niederlößnitz (heute Stadtteil von Radebeul). Bis 1946 trug diese Straße den Namen Niddastraße. Namenspatron war der Generalleutnant Krug von Nidda, der einige Jahre dem Generalstab der sächsischen Armee angehörte. Zuvor gehörte der Straßenabschnitt bis 1926 zur Heinrichstraße (heute Sonnenleite).

Das villenartige Wohnhaus Oskar-Pletsch-Straße 1 (Foto) befand sich einst im Besitz der international tätigen Firma Hielle & Dittrich und weist klassizistische Fassadengestaltungen auf. Architektonisch bemerkenswert ist auch die benachbarte Villa Nr. 3 mit Anklängen an die Formensprache Erlweins. Im Haus Nr. 10, auch als Villa Nizza bezeichnet, wohnte zwischen 1912 und 1918 der schwedische Ernährungsforscher Ragnar Berg (1873-1956), der zeitweise Leiter des chemisch-physiologischen Institutes des Lahmann-Sanatoriums war. Später wirkte Berg als selbstständiger Wissenschaftler und Publizist in der nahegelegenen Villa Stella (Nr. 14), bevor er 1924 als Chemiker an das Städtische Krankenhaus Friedrichstadt wechselte. Die Villa Oskar-Pletsch-Straße 11 war zwischen 1977 und 1998 Wohnhaus des Schriftstellers Uwe Tellkamp, der mit seinem Roman “Der Turm - Geschichte aus einem versunkenen Land” den Stadtteilen Weißer Hirsch und Loschwitz ein literarisches Denkmal setzte.

Oskar-Zwintscher-Straße

Die Oskar-Zwintscher-Straße erhielt ihren Namen nach dem Porträt- und Landschaftsmaler Oskar Zwintscher (1870-1916). Zwintscher war ab 1903 an der Kunstakademie als Professor beschäftigt und liegt auf dem Loschwitzer Friedhof begraben. Zwischen 1945 und 1991 trug die Straße den Namen Hans-Schubert-Straße. Schubert lebte von 1905 bis 1947 und war während des Zweiten Weltkriegs im Strafbataillon 999 eingesetzt. Zwei Jahre nach Kriegsende verunglückte der Antifaschist in der Dresdner Heide.

Plattleite

Preußstraße

Die Preußstraße erinnert an den Schöpfer des Wahlgesetzes der Weimarer Republik, Hugo Preuß (1860-1925). Preuß war zwischen November 1918 und Juni 1919 zunächst Staatssekretär, danach Innenminister des Deutschen Reiches. Bereits in den Zwanziger Jahren hatte die Preußstraße diesen Namen erhalten, wurde später jedoch zeitweise als Hindenburgstraße und Scheubnerstraße bezeichnet. Nach 1945 bekam sie ihren ursprünglichen Namen zurück.

Paulus-Villa: Interessantestes Gebäude ist das Haus Preußstraße10, welches 1910-12 für die Familie Martin errichtet wurde. Ab 1913 befand sich hier das Sanatorium von Dr. Friedrich Kraeger. 1934 erfolgte durch den neuen Besitzer Kurt Kirchbach, Inhaber der Firma Cosid-Kautasit, die großzügige Neugestaltung des parkähnlichen Gartens, welcher zu den schönsten Anlagen auf dem Weißen Hirsch gehörte. 1946 wurde das Haus beschlagnahmt und war bis 1947 Unterkunft für hohe sowjetische Offiziere.

Ab 1948 diente die Villa als Gästehaus der Landesregierung. Hier wohnten zeitweise der sächsische Ministerpräsident Max Seydewitz (später Leiter der Staatlichen Kunstsammlungen) und der Schriftsteller Martin Andersen-Nexö. 1953 bis 1957 lebte Generalfeldmarschall a. D. Friedrich Paulus im Haus, der als Verlierer der Schlacht von Stalingrad in sowjetische Gefangenschaft geraten war. Nach dessen Tod wurde die Villa Gästehaus der DDR-Regierung und der NVA. Im Mai 1968 bereiteten hier Walter Ulbricht und die Staatschefs der befreundeten Staaten in geheimen Gesprächen den Einmarsch in die CSSR zur Niederschlagung des “Prager Frühlings” vor. Die nach 1990 leerstehende Villa wurde 1998 an einen privaten Investor verkauft und dient heute Wohnzwecken.

Rißweg

Der Name Rißweg geht auf einen alten Flurnamen zurück und verbindet den Weißen Hirsch mit dem Loschwitzgrund.. Zu den bekanntesten Gaststätten am Weißen Hirsch gehörten die “Felsenburg” am Rißweg 68 und die “Erholung” (Nr. 39), welche früher von vielen Prominenten besucht wurden. Architektonisch interessant ist das 1911 an der Ecke zur Steglichstraße errichtete Wohn- und Geschäftshaus Rißweg 70 mit einem turmartigen Runderker.

Nr. 15: Das Fachwerkhaus gehört zu den letzten erhaltenen Winzerhäusern im Gebiet Loschwitz / Weißer Hirsch und entstand 1763 für den Loschwitzer Amtsrichter Johann Gottfried Baudisch. Heute wird es als Wohnhaus genutzt und in den letzten Jahren denkmalgerecht saniert (Foto).

Felsenburg: Das Restaurant und Hotel “Felsenburg” entstand um 1880 nach Plänen von Adolf Hietzig und gehörte zu den bekanntesten Pensionen am Weißen Hirsch. Zwischen 1916 und 1919 wohnte der Maler Oskar Kokoschka im Haus und versammelte hier eine kleine Künstlerkolonie um sich, zu der u. a. der Schriftsteller Walter Hasenclever, der Filmemacher Hans Janowitz und der Schauspieler Heinrich George gehörten. Regelmäßig waren auch Künstlerfreunde zu Gast. Als eines der Dresdner Zentren des Expressionismus war das Gebäude Motiv einiger Bilder Kokoschkas. Nach vorübergehender Schließung während des Zweiten Weltkriegs wurde das Hotel noch bis in die 70er Jahre betrieben. 1998 erfolgte eine umfassende Sanierung des Gebäudes, welches dabei zum Wohnhaus umgebaut wurde.

 

Fotos: ehemalige Gaststätten am Rißweg: links die “Felsenburg”, rechts die “Erholung”

Erholung: Die Gaststätte entstand Ende des 19. Jahrhunderts am Rißweg 39 und bot vor allem sächsische Hausmannskost an. Zu den prominenten Gästen des Lokals gehörten Rainer Maria Rilke, Adele Sandrock, Theo Lingen, Marika Rökk und Heinz Rühmann, die als Kurgäste im Ort weilten. Nach 1945 wurde die Gaststätte geschlossen und erst 1988 wieder eröffnet. Bis 1996 bewirtschaftete die Familie Pattis die “Erholung” und erhielt für ihr Restaurant als einzige Gaststätte in Dresden einen Michelin-Stern. Heute dient das Gebäude als Wohnhaus.

Säugrundweg

Der Säugrund, einst auch als sumpfiger Grund bezeichnet, verbindet das Waldgebiet der Dresdner Heide mit dem Loschwitzgrund. Wegen der Wildschweine, die diesen Pfad als Suhle und Weg zur Tränke am Loschwitzbach benutzten, erhielt der Grund seinen Namen.

Silberweg

Der Silberweg am Rathauspark verdankt seinen Namen der Wohltäterin Helene Silber, die der Gemeinde Weißer Hirsch 4.400 Taler zu gemeinnützigen Zwecken stiftete.

Sonnenleite

Die Sonnenleite wurde nach 1890 als Zufahrtsstraße zum Grundstück Ferdinandstraße 1 (heute An der Berglehne) angelegt. Wenig später begann die Parzellierung des zuvor als Obstbaumwiese genutzten Areals für den Bau von Villen und Landhäusern. Der Straßenname geht auf einen früheren Flurnamen zurück. Ursprünglich wurde sie als Heinrichstraße, benannt nach dem Privatier Heinrich Metzner, bezeichnet. Nach der Eingemeindung erfolgte eine Teilung der Straße in Niddastraße (heute Oskar-Pletsch-Straße) und Sonnenleite.

Im Haus Nr. 3 besaß der Gründer der Dresdner Bank, Gustav von Klemperer, einst eine Sommerwohnung. Nr. 4 entstand 1868 als eines der ersten Gebäude am Rande des Loschwitzgrundes und befand sich einst im Besitz des Steinbruchbesitzers Karl Adolph Hietzigs. 1893 wurde die Villa vom Architektenbüro Schilling & Gräbner umgebaut und in Haus “Schöneichen” umbenannt. Weitere Villen wurden kurz vor dem Ersten Weltkrieg errichtet, u.a. die Villa “Lotte” (Nr. 8) und das Nachbarhaus Nr. 10. Ab 1927 gab es auf der Sonnenleite 33 die Dampfwaschanstalt Weißer Hirsch. Das von der Familie Wolff betriebene Unternehmen existierte noch bis in die 1960er Jahre, zuletzt als Betriebsteil der städtischen Wäscherei. Heute befinden sich in dem noch erhaltenen Gebäude Wohn- und Büroräume.

In der 1898 von Kurt Diestel im Schweizerstil errichteten Villa “Sonnenschein” (Nr. 31) hatte bis zu ihrem Tod 1912 die Malerin und Kinderbuch autorin Rosa Petzel ihren Wohnsitz. Gemeinsam mit ihren beiden Schwestern hatte sie sich das Haus als Alterswohnsitz gekauft und richtete hier ihr Atelier ein. Rosa Petzel gilt als eine der ersten professionellen Malerinnen in Deutschland und war 1866 Mitbegründerin des Vereins der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen. Nach ihrem Tod wurde die Villa 1918 an den Architekten Karl August Klotzsche verkauft und befindet sich bis heute in Familienbesitz.

Foto: Villen prägen das Straßenbild an der Sonnenleite

Stangestraße

Die Stangestraße erinnert an den Kaiserlich-Russischen Collegienrat Nicolaus Stange, der um 1873 das Grundstück Bautzner Landstraße 17 besaß. Stange war auch Förderer des Baus einer eigenen evangelischen Kirche für den Ort, die 1889 nach Plänen des Architekten Schaefer entstand. Die Straße wurde bis zur Eingemeindung Mittelstraße genannt.

Bis zu seinem Tod 1940 bewohnte der Unternehmer und Bankier Arthur Pekrun die Villa “Paulus” auf der Stangestraße 2. Pekrun war Mitinhaber des Bankhauses Menz, Pekrun & Co. (Prager Straße 50) und wurde als Obstbauexperte bekannt. Der auf diesem Gebiet autodidaktisch Tätige verfasste um 1903 zwei Fachbücher über Zucht und Schnitt von Obstgehölzen, die über Jahrzehnte als Standardwerke dieses Fachgebietes verlegt wurden. Außerdem setzte er sich für den weiteren Ausbau der Kuranlagen am Weißen Hirsch ein und initiierte als Mitglied des Verschönerungsvereins Weißer Hirsch 1905 die Anlage des Konzertplatzes.

Stechgrundstraße

Die Stechgrundstraße erhielt ihren Namen nach einer Flurbezeichnung. Der tief eingeschnittene Grund erstreckt sich nördlich des Rathausparkes und wird vom Mordgrundwasser durchflossen. Gespeist wird das Gewässer von mehreren Quellen, hauptsächlich der Schwesternquelle. 1641 ist im Stechgrund eine heute nicht mehr lokalisierbare Schneidemühle genannt. Ende des 19. Jahrhunderts ließ der Verschönerungsverein Weißer Hirsch/Oberloschwitz am Ende des Stechgrundes (heute Collenbuschstraße) einen Monolith errichten. Mit zwei steinernen Ruhebänken war dieser Platz Teil der neuen Kuranlagen, die die Attraktivität des Ortes erhöhen sollten.

Villa Emma: Bemerkenswertestes Gebäude an der Stechgrundstraße ist die 1903 entstandene Villa “Emma” unmittelbar neben dem Parkhotel (Nr. 2). Bauherr war der Hoftraiteur Wilhelm Würffel, Besitzer des benachbarten Parkhotels. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Villa von der Roten Armee beschlagnahmt und erst 1960 wieder zurückgegeben. Später diente sie als Fremdenheim, nach 1990 dann als Gästehaus des Goethe- und des Max-Planck-Institutes. Zu den Gästen des Hauses gehörten u.a. die Stargeigerin Vanessa Mae, der Sänger Bob Dylan und der frühere Außenminister Joschka Fischer. 2006 wurde das historische Gebäude saniert und als Hotel wiedereröffnet. Im Erdgeschoss befindet sich das italienische ”Ristorante Delizia”. An der Fassade erinnert ein Fries mit Weinstock an den früher auch am Weißen Hirsch betriebenen Weinbau. Seit 2014 trägt das Hotel den Namen “Sax-Imperial”.

Steglichstraße

Die Steglichstraße, früher auch als Pferdeweg bezeichnet, erhielt ihren Namen nach dem Kommunalpolitiker Steglich (1858-1920), der als erster Sozialdemokrat in den Loschwitzer Gemeinderat einzog. Der alte Verbindungsweg nach Loschwitz wurde 1924 im Zuge von Notstandsarbeiten ausgebaut. Zwischen 1933 und 1945 hieß die Straße Hechenberger Straße.

Straußstraße

Die Straußstraße wurde nach dem früheren Loschwitzer Kirchschullehrer Moritz August Strauß (1835-1904) benannt, der zugleich auch Mitglied des Gemeinderates in Loschwitz war.

Wolfshügelstraße

Die heutige Wolfshügelstraße hieß vor der Eingemeindung Bismarckstraße bzw. Querstraße. Der Name erinnert an den Wolfshügel in der Dresdner Heide, dessen Aussichtsturm 1945 gesprengt wurde.

Nr. 2: In diesem Haus wohnte nach ab 1940 die Familie Lahmann, nachdem diese ihre Villa “Heinrichshof” auf dem Klinikgelände verlassen musste. Sohn Albert betrieb noch bis 1952 im Haus eine Arztpraxis.

Nr. 7: Das Gebäude wurde 1905/06 als “Villa Hohenzollern” an der Ecke Wolfshügel-/ Collenbuschstraße erbaut und diente bis zum Zweiten Weltkrieg als Fremdenheim. Zu den in- und ausländischen Gästen der Pension gehörten u.a. der Porzellanfabrikant Rosenthal, der Dresdner Unternehmer Anton Reiche (Blechformenfabrik) und der Schriftsteller Erhart Kästner. Zeitweise lebte auch der Opernsänger Hans Löbel, Ehrenmitglied der Staatsoper, in diesem Haus.

 

Nr. 12: Die Villa an der Querstraße 15 (heute Wolfshügelstraße 12) entstand 1896 nach Plänen des Baumeisters Theodor Lehnert für den Unternehmer Theodor Meinhold. Dieser hatte 1891 ein neuartiges System von Unterlegblättern für Zithern entwickelt, die auch Laien das Spiel des Instruments erlaubte. Meinhold unternahm gemeinsam mit seiner Frau 1910 eine Weltreise, die ihn zur Gestaltung von Haus und Garten mit asiatischen Figuren und Schmuckelementen anregte. Aus dieser Zeit stammen noch das pagodenartige japanische Teehaus im Garten und eine Buddhafigur. Später bewohnte Meinholds Tochter Vally die Villa gemeinsam mit ihrem Mann Emil Imle und vier Töchtern. 1945 musste die Familie das Haus verlassen, da dieses von russischen Offizieren beschlagnahmt worden war. Später durften die Eigentümer jedoch zurückkehren. 2009 verkauften die Nachkommen Meinholds die Villa, die in der Folgezeit denkmalgerecht saniert wurde. Auch im Inneren sind noch zahlreiche Details der Entstehungszeit erhalten.

Nr. 22: Die 1897 erbaute Villa Schneider (Foto) wurde bis 1945 als Fremdenheim “Soldana” genutzt, dann jedoch von der sowjetischen Militäradministration beschlagnahmt. 1952 erfolgte die Umwandlung in ein Klubhaus der Lehrer-Gewerkschaft, welches ab 1957 Klubhaus “Richard Schallock” genannt wurde. Heute haben hier u.a. der Landesbauernverband und ein Architekturbüro ihr Domizil.

 

Fotos: Das Fremdenheim “Soldana” (Nr. 22) auf einer Aufnahme um 1920 und 2002

Zeppelinstraße

Die Zeppelinstraße wurde nach dem Erfinder des Luftschiffs, Graf Zeppelin benannt. 1960 bezog man einige der Villen in das Forschungsinstitut Manfred von Ardennes ein. Zu diesen gehörte u.a. das 1912 für den Fabrikbesitzer Georg Meißner errichtete neobarocke Landhaus Nr. 7. Die Entwürfe stammen vom renommierten Dresdner Architektenbüro Lossow & Kühne. Die auf dem Grundstück befindliche Sternwarte entstand 1969 und bildet einen markanten Blickpunkt am Elbhang. Heute leben und arbeiten hier die Nachkommen des 1997 verstorbenen Physikers.

Zwanzigerstraße

Der Name Zwanzigerstraße geht auf die sogenannten “Zwanziger” zurück. So wurden früher die Treiber bei Hofjagden genannt, da diese in Trupps zu je 20 Männern eingesetzt wurden, um das Wild aufzuscheuchen und vor die Flinten der Hofgesellschaft zu treiben. Treffpunkt der Männer aus Loschwitz und Bühlau war der “Weiße Adler”.

 


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