Der Wachwitzgrund gehört zu den romantischen rechten Seitentälern der Elbe und wird
vom Gönnsdorfer Bach gebildet, der in der Nähe des Wachwitzer Dorfkerns in die Elbe mündet. Die Straße durch das Tal trug früher auch den Namen Rochwitzer Fußsteig bzw.
Grundstraße, bevor sie 1930 offiziell in Wachwitzgrund umbenannt wurde Der obere Teil wird nach der früheren sächsischen Kronprinzessin Luise von Toscana auch Luisen-Grund genannt.
Im unteren Teil des Grundes stehen noch zahlreiche kleine Fachwerkwohnhäuser, die an die Vergangenheit des Ortes erinnern. Hier lebten meist arme Häusler, Winzer und Tagelöhner des Rittergutes. Schwere
Schäden richtete am 12. Mai 1844 ein Wolkenbruch an, der den kleinen Bach anschwellen ließ und zum reißenden
Gewässer machte. Zahlreiche Gebäude wurden dabei zerstört bzw. schwer beschädigt. Weitere Häuser fielen später dem Abriss zum Opfer und wurden durch Mehrfamilienhäuser und Villen ersetzt. Zu den älteren Bauten gehören die Fachwerkhäuschen Wachwitzgrund Nr. 2, 4, 6, 12, 14, 16 und
18. Letzteres steht auf dem Grundstück der früheren Schäferschen Mühle und wurde 1808 errichtet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts richtete man in vielen Häusern kleine Läden und Gewerbebetriebe
ein, da die Bewohner nach Einstellung des Weinbaus auf andere Erwerbsmöglichkeiten umsteigen mussten. Älteste Häuser von Wachwitz sind das Umgebindehaus Wachwitzgrund 13 von 1623 (Foto rechts)
und Wachwitzgrund 15. Einer heute nicht mehr lesbaren Inschrift zufolge soll dieses Gebäude bereits um 1605 entstanden sein.
Auch im oberen Teil des Grundes sind noch einige historische
Bauten erhalten geblieben. Zwar musste das kleinste Haus des Ortes, von den Bewohner auch “Villa bücke Dich” genannt, 1969 wegen Baufälligkeit abgerissen
werden, dafür blieb das ehemalige Gemeindearmenhaus (Nr. 74) bis heute erhalten. 1873 hatte ein wohlhabender Wachwitzer Bürger das Grundstück für dieses Gebäude der Gemeinde geschenkt. Unweit der ehemaligen Gaststätte
“Johannesbad” erinnert ein Ehrenhain an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Einwohner des Ortes. Initiator der Anlage war
Edmund Hottenroth; die Schrifttafeln schuf der Bildhauer Otto Hunger. An der Flurgrenze nach Pappritz führt ein schmaler Pfad auf einen Felsen über dem Wachwitzgrund, auf dem 1883 die Gaststätte “Wachberg” eingerichtet wurde. Einzelne Gebäude: Nr. 7:
Das auch “Haus Sonnenrose” genannte Gebäude entstand 1863. Zuvor war dieser Platz für das Wachwitzer Schulhaus vorgesehen. 1872 erwarb der Maler Woldemar Hottenroth das Haus und nutzte es als Wohnhaus und Atelier. Nr. 8:
Das Gebäude entstand um 1840 als Winzerhaus eines zugehörigen Weinberges an Stelle einer alten Wassermühle. Zwischen 1908 und 1924 gehörte es dem Literaturhistoriker Dr. Friedrich Kummer.
Hinter dem Haus führt eine steile Treppe zum “Schweizerhäuschen” mit der “Flüstergrotte”, Reste der früheren romantischen Gestaltung des Grundstücks.
Nr. 27:
Das kleine Fachwerkhaus entstand im 17. Jahrhundert und gehört zu den besterhaltendsten historischen Gebäuden von Wachwitz. Das Haus wurde in den letzten Jahren liebevoll saniert (Foto).
Nr. 54: Das Haus entstand im 19. Jahrhundert als Landhaus des Malers Woldemar Graf von Reichenbach. Nach einer
Italienreise ließ er an seinem Wohnhaus ein antikes Portal einbauen, welches er dort erworben hatte. Das einstige
Ateliergebäude ist heute nicht mehr vorhanden. Im Wohnhaus befand sich ab 1954 die Frauenklinik von Dr. Jüngst. Nr. 56 (“Talhaus”):
Nach Zerstörung der oberen Wachwitzer Mühle beim Unwetter 1844 errichtete zwei Jahre später Johann Gottlieb Ehrlich an gleicher Stelle ein neues Gebäude. 1854 wurde dieses von König Friedrich August II. erworben,
der hier die Unterkunft seiner Schlosswache einrichtete. Zwischen 1921 und 1977 bewohnte der Maler Hans Jüchser das Gebäude, welches nach 1990 saniert wurde. Johannesbad:
Die Gaststätte wurde 1874 in den Gebäuden einer alten Wassermühle eingerichtet und hieß zunächst “Zur
Güldenen Aue”. Nachdem der Besitzer 1876 die Erlaubnis zur Einrichtung einer Badeanstalt erhalten hatte, benannte man
das gesamte Anwesen in “Johannesbad” um. Später wurde der frühere Mühlteich zum Gondelteich umgestaltet. Außerdem
entstanden ein Konzertsalon und auf dem Hügel über dem Haus ein Aussichtsturm. Trotz mehrfachem Besitzerwechsel wurde das “Johannesbad” noch bis 1939 gastronomisch genutzt, schloss dann jedoch seine Pforten. Foto: Das frühere Gasthaus Johannesbad im Jahr 2003 Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich auf dem Grundstück eine Nutriafarm, später eine Zucht für Schäferhunde. Da
1967 ein Unwetter den Mühlteich verschüttete und das Grundstück verwüstete, sind heute kaum noch Reste aus der
Glanzzeit des beliebten Ausflugslokals erhalten. Das Gasthaus dient heute ebenso wie der erhaltenen Johannesturm Wohnzwecken (Nr. 76). Pappritzmühle: Die Mühle entstand im 16. Jahrhundert auf Rochwitzer Flur und wurde 1547
erstmals erwähnt. Erster namentlich bekannter Eigentümer war der Müller Jacob Wainer. Mehrfach wechselte sie ihre Besitzer und gehörte ab 1886 der Gemeinde Wachwitz.
Hauptsächlich diente sie als Getreidemühle. 1848/49 soll sich der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff mehrmals hier aufgehalten und sein Lied “In einem kühlen Grunde...”
geschrieben haben, was historisch jedoch nicht verbürgt ist.
1886 wurde der Mahlbetrieb eingestellt und die Pappritzmühle fortan nur noch als Wohnhaus genutzt. Das Mühlrad
verschwand nach der Jahrhundertwende. Wegen ihres schlechten Bauzustandes sollte die Mühle 1963 abgerissen werden.
Nach einem Antrag des Dresdner Anglerverbandes, hier ein Vereinshaus einzurichten, revidierte man diese Pläne und
überließ das Gebäude den Vereinsmitgliedern. Diese planten, den ehemaligen Mühlteich als Forellenzuchtanlage zu nutzen
und begannen mit der Instandsetzung des Staudammes und der Entschlammung des Teiches. Nach schweren Schäden durch ein Unwetter im Sommer 1965 gab man die Pläne jedoch auf und überließ die historische Mühle der “URANIA”.
Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 1995/97 saniert und wird heute als Wohnhaus genutzt. |