Das Dorf Wachwitz entstand vermutlich im 11./12. Jahrhundert an der Mündung des
Wachwitzbaches in die Elbe. 1350 wurde der Ort im Lehnsbuch Friedrich des Strengen erstmals als “wachwicz” erwähnt. Der Name wird entweder von einem sorbischen Personennamen Vach
oder von einer hier befindlichen Vachstätte (Fischfangstelle) abgeleitet.
1350 erhielt Conradus de Peschen das Dorf Wachwitz als Lehen. Der Dorfkern befand sich
zunächst in unmittelbarer Elbnähe, dehnte sich später aber auch in den Wachwitzgrund und an den
Hängen entlang der Pillnitzer Landstraße aus. Noch bis 1838 wurden beide Ortsteile getrennt in den Steuerregistern verzeichnet. Die Bewohner lebten vor allem vom Fischfang, da größere
Ackerflächen fehlten. Später kamen noch Wein- und Obstbau hinzu. 1514 erwarb der Besitzer des Rittergutes Pillnitz, Christoph von Ziegler, den Ort, der bis ins 17. Jahrhundert bei Pillnitz verblieb.
Bereits um 1600 wurde in Wachwitz ein selbstständiges Rittergut eingerichtes, welches mit dem Nachbarort Niederpoyritz eine Einheit bildete und häufig seine Besitzer wechselte. Das Gut befand sich zunächst außerhalb des
Dorfes im Wachwitzgrund und war mit einer hohen Bruchsteinmauer umgeben. Im 18. Jahrhundert wechselte der
Rittergutssitz nach Niederpoyritz, wo ein schlossartiger Neubau errichtet wurde. Als besonders bedrückend wurde von
den Einwohnern die Herrschaft des Ritters Joachim von Loß empfunden, der wegen seiner Rücksichtslosigkeit und Härte
als “der böse Loß” in die Geschichte eingegangen ist und 1609 in den Besitz von Wachwitz und Niederpoyritz gekommen
war. 1633 verstarb er und soll der Sage nach noch lange als schwarzer Hund im Pillnitzer Schloß umgegangen sein. 1824 erwarb der spätere sächsische König Friedrich August II. einige Weinberge im Ort, die er bis zu seinem Tod 1854 zu einem zusammenhängenden Grundstück zusammenfaßte, welches später als “Königs Weinberg” bezeichnet wurde. Zu diesem Areal gehörte ab 1827 auch das
Rittergut mit seinen Besitzungen in Wachwitz und Niederpoyritz. 1844 wurde Wachwitz bei einem schweren Unwetter am 12. Mai stark getroffen und teilweise zerstört. Nach erfolgtem
Wiederaufbau entwickelte sich das einstige Fischer- und Winzerdorf zur beliebten Sommerfrische und zog Maler und Dichter an. U. a. lebten hier zeitweise Wolf Heinrich Graf
Baudissin und Woldemar Hottenroth. Aber auch Staatsbeamte, Fabrikanten und wohlhabende Pensionäre errichteten neue Häuser am Elbhang und im Wachwitzgrund. Ihnen folgten bald
mehrere Ausflugslokale und kleine Weinschänken. 1895 entstand eine Wasserkuranstalt des
Arztes Dr. Klenke, die später als “Ziegenalm” bekannt wurde. Bereits 1862 hatte Wachwitz eine Anlegestelle der Elbschiffahrt erhalten, die jedoch seit 1980 nicht mehr exisitiert.
Für eine Verbesserung der Verkehrsverbindungen sorgte ab 1895 der Ausbau der Pillnitzer Landstraße
und die 1903 eröffnete Straßenbahnlinie nach Pillnitz (1985 eingestellt). Kirchlich gehörte Wachwitz bereits seit 1706 zur Loschwitzer
Kirche, zuvor zur Dresdner Frauenkirche. 1886 erhielt der Ort Anschluss an das Loschwitzer Wasserwerk, wofür ein
Wasserbehälter im Wachwitzgrund gebaut wurde. Von dort leiteten Rohre das Wasser bis zum Brunnenhaus auf dem Dorfplatz, von wo aus es in die einzelnen Grundstücke verteilt wurde.
1900 folgte der Anschluss des Dorfes an das Elektrizitätsnetz, 1910 an die Gasstraßenbeleuchtung. In den Zwanziger Jahren entstanden auf der Hochfläche über dem
Ort einige Eigenheime an der Hottenroth- und Waldmüllerstraße. Im gleichen Jahr eröffnete auch Weidners Sanatorium
am Wachwitzer Höhenpark. Am 15. Oktober 1930 wurde Wachwitz nach Dresden eingemeindet. Der Ort blieb im Zweiten Weltkrieg von größeren Schäden verschont und konnte deshalb sein historisches Bild
weitgehend bewahren. Das ehemalige Schloß der Wettiner wurde 1945/46 enteignet und noch bis nach 1990 als Schulungseinrichtung genutzt. Beliebte Ausflugsziele sind bis heute der 1970 entstandene Rhododendrongarten am
Wachwitzer Weinberg und der 1969 eingeweihte, seit 1991 leider für die Öffentlichkeit geschlossene Fernsehturm.
Gemeindeamt: Das Wachwitzer Gemeindeamt wurde 1901 am Dorfplatz (Altwachwitz 9) an Stelle eines kleinen Bauerngutes errichtet.
Das neue Gebäude erhielt neben Büroräumen und Dienstwohnungen auch Räume für das Ortsgericht, eine Volksbibliothek, die Verbandsspar- und Girokasse und das Einwohnermelde- und Wohnungsamt. Der Sitzungssaal des
Gemeinderates wurde auch nach der Eingemeindung 1930 noch für öffentliche Versammlungen genutzt. Außerdem befand sich im Gebäude zeitweise die Wachwitzer Poststelle. Ortsfeuerwehr:
Die erste Feuerspritze des Dorfes wurde 1788 angeschafft. Zwanzig Jahre später entstand für diese ein Spritzenhaus am
Dorfplatz, welches zugleich als Arrestzelle für kleinere Vergehen diente. Modernes Löschgerät wurde 1881 angeschafft.
Am 9. September 1898 entstand die Freiwillige Feuerwehr Wachwitz als eingetragener Verein, der auch im Kulturleben des Ortes eine wichtige Rolle spielte und noch bis 1935 existierte. Postamt: Bereits im 18./19. Jahrhundert verkehrte auf der Pillnitzer Landstraße täglich eine Botenpost, die Briefe und Pakete in die
Elbdörfer transportierte. Nach Einrichtung des Postamtes in Loschwitz verbesserte sich die postalische Versorgung. 1885
wurde schließlich in einem Wachwitzer Wohnhaus eine Posthilfsstelle eingerichtet. Diese wechselte mehrfach ihren
Standort und wurde 1914 durch ein eigenes Postamt im Gemeindeamt ersetzt. Zwischen 1918 und 1931 befand es sich
auf der Pillnitzer Landstraße Nr. 134. Nach Rückverlegung ins Gemeindeamt blieb das Postamt bis 1991 erhalten, zuletzt als Außenstelle des Loschwitzer Amtes. Schulen in Wachwitz:
Die Wachwitzer Schüler besuchten ursprünglich die Schule im Nachbarort Loschwitz, zu deren Finanzierung bis zum 19.
Jahrhundert ein Schulgeld von jedem Haus bezahlt werden mußte. Erst am 22. Januar 1863 konnte nach mehrjährigen
Bemühungen ein eigenes Schulhaus eingeweiht werden. 1876 wurde ein Erweiterungsbau errichtet. Auf dem Schulhof
wurde 1898 ein Gedenkstein aus Anlaß des 25-jährigen Thronjubiläums König Alberts aufgestellt, der heute nicht mehr vorhanden ist.
Zur Verbesserung der Schulverhältnisse erwog die Gemeinde nach dem ersten Weltkrieg einen Zusammenschluss mit der
Loschwitzer Schule, der jedoch nach der Eingemeindung von Loschwitz 1921 nicht mehr zustande kam. Stattdessen
bildete Wachwitz mit Niederpoyritz eine Schulgemeinde, für die 1921 ein kompletter Umbau des vorhandenen Gebäudes durch Rudolf Kolbe erfolgte. Auch nach der Eingemeindung 1930 blieb diese Schule erhalten und wurde 1947
Außenstelle der 62. Grundschule Dresden-Loschwitz. Zwischen 1955 und 1978 war sie Teil der 87. POS in Niederpoyritz. Nachdem dort ein moderner Schulneubau die Raumnot der letzten Jahre beendet hatte, schloss das
Wachwitzer Schulhaus im März 1978 seine Pforten. Elbfähre: Erst seit 1839 besaß die Gemeinde Wachwitz die Fährgerechtigkeit, die zum Betrieb einer Fähre nach Tolkewitz
berechtigte. Die Fähre wurde gegen Entgelt an einheimische Familien verpachtet, die die Überfahrt auf eigene Rechnung
organisierten. Ab 1924 war eine Motorfähre im Einsatz. Zur Fähre gehörte auch ein kleines Fährhäuschen am Elbufer,
welches 1960 abgerissen wurde. Bereits drei Jahre zuvor, am 31. Dezember 1957, wurde der Fährbetrieb in Wachwitz eingestellt. Weiterführende Literatur und Quellen
Wachwitzer Nachrichten
13. April 2010:
Die Antennenspitze des Fernsehturms erhält bis zum Herbst einen neuen Anstrich. Die tot-weiße Kennzeichnung ist eine Vorschrift zur Sicherheit des Luftverkehrs. Das Turmcafe bleibt jedoch auch weiterhin geschlossen, da sich bislang kein Investor für die Sanierung gefunden hat.
10. Oktober 2009:
Nach mehrmonatiger Schließung wird das Ausflugslokal “Wachberghöhe” wieder eröffnet. Neuer Betreiber ist der frühere Dynamo-Fußballer Gerd Seifert, der neben gutbürgerlicher deutscher Küche und Arrangements für Familien- und Firmenfeiern im kommenden Jahr auch vier Ferienwohnungen anbieten will.
6. März 2009:
Die Wachwitzer Helios-Klinik wird zum 1. Januar in das Friedrichstädter Krankenhaus integriert. Dort soll sie als eigenständige Fachabteilung zur Behandlung krebskranker Patienten weiter geführt werden. Was aus den dann nicht mehr benötigten Gebäuden in Oberwachwitz wird, steht noch nicht fest.
12. Februar 2009:
Im Schloß Wachwitz sollen künftig 20 Wohnungen entstehen. Ursprüngliche Planungen, das Gebäude zum Sitz der Immobilienfirma V.V.K. zu machen, sind damit vom Tisch. Das Unternehmen hatte das Schloss und den angrenzende Wachwitzer Weinberg 2007 gekauft.
Literatur über Wachwitz und Umgebung finden Sie auch hier: |
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