An Stelle des heutigen Stadtteils Neugruna lag im Mittelalter das Dorf Praschütz, welches
1307 erstmals als Praschycz erwähnt wurde. Der slawische Ortsname bedeutet “Leute eines Pravek” und weist auf den Ortsgründer bzw. Sippenältesten hin. Der kleine Ort, der zum
Besitz des Klosters Altzella gehörte, lag vermutlich in der Nähe der Kreuzung Ludwig- Hartmann-/ Schandauer Straße. Unweit davon existierte das Vorwerk Grünpraschütz. Beide
Siedlungen sind bereits 1310 als Wüstungen erwähnt, wobei die Gründe des Untergangs unklar sind. Möglicherweise waren die ungünstigen Bodenverhältnisse oder die
Hochwassergefahr Gründe für die Aufgabe der Dörfer. Die Fluren von Praschütz wurden nun von den Bauern der umliegenden Orte als Bauernbusch genutzt. 1547 wurde ein Großteil der
Flächen von den Grunaer Bauern erworben und fortan als Grunaer Tännicht bezeichnet.
Erst nach Verlegung des Landgrabens
in dieses Gebiet um 1870 begannen sich Bauunternehmer für das Areal zu interessieren. Zu ihnen gehörte der wohlhabende Musikkritiker Ludwig Hartmann, der gemeinsam mit anderen
Interessenten das Grunaer Tännicht erwarb und in Waldparzellen aufteilte. 1876 entstand die Baugenossenschaft “Daheim”, die zunächst fünf Erschließungsstraßen anlegte und dann das Areal als Bauland verkaufte. Neben den
regelmäßig verlaufenden neuen Straßen wurde 1896 auch der alte Ziegelweg zwischen Blasewitz und Seidnitz ausgebaut und erhielt den Namen Altenberger Straße. Das Foto zeigt eines der für Neugruna typischen Häuser
(Altenberger Str. 6). In offener Bauweise entstanden bis zur Jahrhundertwende mehrgeschossige Wohnhäuser, die im Anschluss an
Arbeiterfamilien vermietet wurden. Bevorzugt waren diese in der Striesener Foto- und Zigarettenindustrie tätig. Zunächst besuchten die Kinder die Blasewitzer Schule, bevor 1876 ein eigenes Schulhaus auf der Hofmannstraße eingeweiht werden konnte. Heute befindet sich auf diesem Grundstück ein 1907/09 errichteter Neubau von Hans Erlwein.
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