Der heutige Stadtteil Gruna wurde im Mittelalter von deutschen Siedlern gegründet
und 1370 als Grunow erstmals erwähnt. Der Name bedeutet “Ort in der grünen Aue” und bildete ein Platzdorf mit Block- und Streifenflur. Die ausgedehnte Dorfflur
erstreckte sich zwischen der heutigen Winterbergstraße bis zum Striesener Friedhof sowie zwischen Hepkeplatz und Enderstraße. Begrenzt wurde das Gebiet von zwei
alten Elbarmen, die später als Gartenland genutzt wurden. Ein Teil dieses tiefergelegenen Geländes wird bis heute vom Landgraben genutzt (Foto)
, der bereits 1309 erwähnt ist und als Entwässerungsgraben, Wasserreservoir und natürlicher Schutz vor feindlichen Übergriffen genutzt wurde.
Ursprünglich unterstand Gruna dem Domstift zu Meißen, kam jedoch im Zuge der Reformation an das Religionsamt Dresden bzw. das kurfürstliche Amt. Erst im Zuge der Landgemeindeordnung des 19.
Jahrhunderts wurde diese Unterstellung zugunsten moderner Verwaltungsformen aufgehoben. Wichtigster Erwerbszweig blieb jahrhundertelang
die Landwirtschaft. Später kamen noch Gartenbau und einige Ziegeleien hinzu. Kirchlich gehörte Gruna zur Dresdner
Kreuzkirche. Veränderungen der Dorfflur erfolgten 1547 durch die Einbeziehung der Felder des untergegangenen Dorfes Praschütz sowie die 1678 vom Kurfürsten erzwungene Abtretung von Flächen zugunsten des Großen Gartens.
Wichtigste Verkehrsverbindung aus der Stadt in Richtung Osten war die Pirnaische Landstraße, deren Verlauf sich noch heute teilweise in der Grunaer Straße und der Bodenbacher Straße erhalten hat. Ein mittelalterliches Sühnekreuz
inmitten des Großen Gartens erinnert noch an die einstige Straßenführung. Gruna war für diesen Verkehrsweg von
besonderer Bedeutung, da sich hier eine schon 1439 erwähnte “brucke bie Grunow” befand, die den Landgraben überquerte. Zur Betreuung der Fuhrleute entstand in ihrer Nähe eine Schmiede, die später als Schank- und
Beherbergungsstätte diente und noch bis 1945 unter dem Namen “Grüne Wiese” bestand.
Schwer betroffen war das Dorf Gruna in den Napoleonischen Kriegen, in deren Folge der Ort am 11. Oktober 1813 niederbrannte. Für den Wiederaufbau der Gehöfte fanden Steine der früheren Umfassungsmauer des Großen Gartens
Verwendung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Gruna zum beliebten Ausflugsziel der
Dresdner Bevölkerung, die gern die hier gelegenen Ausflugsgaststätten besuchten. Zeitweise wurde von der Gemeinde sogar eine Art “Kurtaxe” von 10 Groschen zugunsten der Gemeindearmenkasse erhoben. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die 1873 eröffnete Pferdebahnlinie vom
Neumarkt bis zum Dorf. Nicht nur Sommergäste ließen sich in Gruna nieder, auch die ständige Einwohnerzahl wuchs innerhalb weniger Jahre deutlich an. Allerdings blieben Villenbauten, wie das Parkhaus von Julius Rothermundt die Ausnahme. Stattdessen dominierten Mietshäuser (Foto: Zwingli- / Leitmeritzer Straße - 1945 zerstört)
für die Arbeiter der beiden Ziegeleien sowie der in den Nachbarorten entstandenen Industriebetriebe. Abseits des Dorfkerns entstand ab 1876 im ehemaligen Tännicht der Ortsteil Neugruna im Anschluss an die Blasewitzer Villenviertel. 1892 wurde an der Bodenbacher Straße die Thomaskirche eingeweiht.
Foto: Wohnhäuser an der Schneebergstraße
Erst nach dem Ersten Weltkrieg verlor der am 1. April 1901 nach Dresden eingemeindete Stadtteil endgültig sein
ländliches Bild. Zwar waren bereits 1886 die Lehmgruben der westlich des Dorfkerns gelegenen Ziegelei mit dem Bauschutt der zugunsten der König-Johann-Straße abgebrochenen Badergasse verfüllt worden. Trotzdem wurden
noch um 1900 fast 75 % der Ortsflur landwirtschaftlich genutzt. 1925 begannen der gemeinnützige Bauverein Gartenheim und der Dresdner Spar-
und Bauverein auf einer bereits zum Ende des Ersten Weltkrieg erworbenen Fläche zwischen Junghans-, Hepke-, Bärensteiner Straße und Frauensteiner Platz mit der
Errichtung von insgesamt 1.400 Wohnungen. Die Pläne für diese Siedlung stammen von Paul Beck und Max Oertel, die die Häuser im Stile einer Gartenstadt zwischen Junghansstraße (Foto rechts)
und Landgraben projektierten. Das in sich geschlossene Wohnviertel besitzt neben einer Mittelachse (Gartenheimallee) drei
zentrale Plätze sowie großzügige Gartenanlagen für die Bewohner. Ursprünglich gehörten noch 13 Holzhäuser zur Siedlung, welche jedoch 1945 den Bomben zum Opfer fielen. Weitere Wohnviertel entstanden zwischen 1924 und
1928 an der Haenel-Clauß- und der Hepkestraße. Trotz dieses Wandels bestanden noch bis 1945 drei Bauernhöfe im Dorf.
Durch die Luftangriffe im Februar 1945 wurde auch Gruna schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zu den zerstörten Gebäuden gehörten die Gehöfte im Dorfkern, das Parkhaus
Rothermund sowie die Ausflugsgaststätte “Grüne Wiese”. Die ebenfalls schwer beschädigten Wohnhäuser um den Falkensteinplatz (Foto: Ecke Schneebergstraße)
wurden bereits ab 1949 wieder aufgebaut. 1975 wurde die Umgestaltung des Stadtteils mit einem Neubaugebiet an der Zwinglistraße fortgesetzt. Vorrangig entstanden hier und
auf ehemaligem Gärtnereigelände an der Bodenbacher Straße fünfgeschossige Plattenbauten, ergänzt um einige Hochhäuser und eine moderne Fußgängerzone mit Läden und Gaststätten. Nach 1990
wurden die verbliebenen Baulücken mit weiteren Wohn- und Geschäftshäusern geschlossen. 1999 folgte der Umbau des wichtigen Verkehrsknotenpunktes Zwinglistraße zum neuen Stadtteilzentrum.
Schulen in Gruna: Dorfschule: Ihr erstes Schulhaus erhielt die Gemeinde 1865, als an der Bodenbacher Straße 29 ein kleines
Schulgebäude übergeben werden konnte. Da dieses bald zu klein wurde, wurde es 1884 erweitert, musste jedoch schon bald zugunsten eines modernen Neubaus aufgegeben werden. Gymnasium Gruna: Da die bisherige Schule durch den starken Anstieg der
Bevölkerungszahl nach 1900 nicht mehr den Anforderungen genügte, wurde 1913 der Dresdner Stadtbaurat Hans Erlwein mit dem Entwurf für ein neues Schulhaus
beauftragt. Der moderne Bau an der Junghansstraße 15 konnte am 21. April 1914 eingeweiht werden und war letzte architektonische Schöpfung des Stadtbaurates vor seinem Tod (Foto).
Zu DDR-Zeiten beherbergte das Gebäude die 5. POS “Kurt Schlosser” sowie die 31. POS ”Georgi Dimitroff”. Mit der Namensgebung sollte an den von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpfer Kurt Schlosser, der zu den
führenden Köpfen der “Roten Bergsteiger” gehörte, und an den durch sein Auftreten beim Reichstagsbrandprozess bekannt gewordenen bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff erinnert werden. Heute nutzt das Gymnasium
Dresden-Gruna das Schulhaus, welches 2004 den Namen “Hans-Erlwein-Gymnasium” erhielt. Schule Neugruna:
Die Kinder des Stadtteils besuchten zunächst die Blasewitzer Schule, bevor 1876 der Unternehmer Joseph Traube auf seinem Grundstück an der Tauscherstraße Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Allerdings bereitete
das schnelle Bevölkerungswachstum schon bald Probleme, so dass weitere Räume in verschiedenen Gebäuden angemietet werden mussten. 1907-1909 wurde deshalb von Hans Erlwein ein moderner Schulneubau an der
Hofmannstraße 34 errichtet und am 19. April 1909 eingeweiht. Der repräsentative Gebäudekomplex passt sich architektonisch der umgebenden Villenbebauung an und wurde von bekannten Künstlern wie Georg Wrba, Karl Groß,
Paul Rößler und Paul Perks ausgestaltet. Ab 1966 trug diese Schule den Namen 32. POS “Paul Gruner”, benannt nach einem antifaschistischen
Widerstandskämpfer, der viele Jahre bei der Dresdner Straßenbahn tätig war. 2004 wurde sie wegen des an der Fassade befindlichen Märchenmosaiks in “Sieben-Schwaben-Schule” umbenannt und heute von der 32. Grund- und
Mittelschule genutzt. Kleingartenanlage “Alte Elbe: Die Kleingartenanlage am Frauensteiner Platz im Osten der Grunaer Flur wurde 1928 in einem ehemaligen Elbarm
angelegt. Ihren Namen verdankt sie einer bereits zuvor für dieses Gebiet verwendeten Flurbezeichnung. Da das
Gelände zum Teil bis zu zwei Meter tiefer als seine Umgebung lag und entsprechend hochwassergefährdet war, kam für
diese Fläche eine Bebauung mit Wohnhäusern nicht in Frage. Zur Anlage, welche bis zur Enderstraße in Striesen reicht, gehörte früher auch ein Festplatz mit Gastronomie sowie ein kleines Freibad. Weiterführende Literatur und Quellen
Grunaer Nachrichten
7. Dezember 2009:
Mehrere Ladenräume an der Papstdorfer Straße werden derzeit von neuen Mietern bezogen. U.a. entsteht im ehemaligen Eiscafé “Iglu” ein asiatisches Restaurant. Das Café hatte Ende des vergangenen Jahres geschlossen.
16. Juni 2009:
Auf einer zur Zeit noch als Parkplatz genutzten Freifläche an der Zwinglistraße / Ecke Bodenbacher Straße soll ab 2010 das neue Einkaufszentrum “Zwingli-Passage” entstehen. Der
moderne Neubau des Architektenbüros “Zanderarchitekten” wird im Erdgeschoss eine Ladenpassage, in den oberen Etagen ein Parkdeck beherbergen. 7. Mai 2009:
Die Kleingartensparte am Wintergartenplatz steht zur Disposition. Nach Plänen der Stadt soll das Areal Teil eines Industriestandortes werden. Gegen das Vorhaben regt sich jedoch
Widerstand der Kleingärtner. 26. März 2009: Der Institutscampus des Fraunhofer-Institutes an der Winterbergstraße soll
ausgebaut und erweitert werden. Neben Neubauten für weitere Forschungslabore werden auch mehrere Millionen Euro in die technische Ausstattung investiert. Als Standort dienen Flächen an der
Bahnlinie sowie ein Areal zwischen Winterberg- und Bodenbacher Straße. Bereits 2010 soll ein Teil des Neubaukomplexes bezogen werden. |
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