Schloss Lockwitz geht auf ein 1349 erstmals erwähntes Rittergut zurück, welches
zunächst zwei Besitzern gehörte. 1402 besaß die Dresdner Bürgerfamilie Ziegler einen Anteil am Gut, der übrige gehörte der Adelsfamilie von Alnpeck. Ab 1512 waren die
Alnpecks alleinige Besitzer des Gutes. Einige Grabsteine befinden sich heute noch in der Leubnitzer Kirche, zu der Lockwitz einst gehörte. Auch die Kirche von Leuben
besitzt noch ein altes Glasfenster mit dem Wappen dieser Familie.
Das Herrenhaus des Rittergutes wurde 1621 von Johann Georg von Osterhausen zum
Schloss umgebaut und dabei erheblich vergrößert. Gleichzeitig entstand an Stelle der früheren Schlosskapelle eine Kirche
, die seit 1623 eine eigene Kirchgemeinde bildete. Ein besonderes Kuriosum ist der Turm, der beide Gebäude
miteinander verbindet, baulich jedoch zur Kirche gehört. Ein prominenter Gast des Schlosses war 1756 der preußische
König Friedrich II., der hier während des Siebenjährigen Krieges sein Hauptquartier nahm. In den Befreiungskriegen
1813 befand sich im Schloss ein Lazarett für preußische und russische Soldaten, die im Kampf gegen Napoleon verwundet worden waren. Im 19. Jahrhundert wechselten mehrfach die Besitzer des Schlosses. 1813 erwarb Johann
Gottlob Preußer das Gebäude mit dem zugehörigen Rittergut. Preußer galt als einer der fortschrittlichsten Adligen seiner Zeit und erließ freiwillig seinen Bauern sämtliche Fron- und
Zinsleistungen. Das Gut wurde 1866 an Heinrich Christian Kap-herr verkauft, der das Schloss seinem Sohn Carl Johann zur Nutzung überließ. Wenig später begann ein Umbau des
Gebäudes im Stil der italienischen Renaissance, wodurch der Bau im Wesentlichen sein bis heute überliefertes Aussehen erhielt. Geleitet wurden die Arbeiten von den Lockwitzer
Baumeistern Carl Kirsten und Otto Kreyssig. Die Familie Kap-herr nutzte das Lockwitzer Schloss bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Wohnsitz. Im Speisesaal wurde 1929 ein kleines Heimatmuseum eingerichtet.
Schloss Lockwitz wurde mit dem zugehörigen Rittergutsland 1946 durch die Bodenreform enteignet und an Neubauern aufgeteilt. Die früheren Besitzer
deportierte man auf die Insel Rügen, von wo aus sie später in die Westzonen flohen. Im Schloss entstand 1946 zunächst eine Staatliche Feuerwehrschule, später eine Ausbildungsstätte für angehende
Kartographen und Geodäten. Diese wurde nach 1990 als Vermessungsschule des Landesvermessungsamtes Sachsen fortgeführt und erst 2001 geschlossen. 1994 begann mit Abnahme der Turmhaube eine Sanierung der Anlage von
Schloss und Kirche. Seit 2007 befindet sich das Gebäude in Privatbesitz und wird derzeit zu Wohnzwecken umgebaut. Dazu sollen auch die vorhandenen Nebengebäude saniert und um einige Eigenheime ergänzt werden.
Mausoleum: Das Mausoleum entstand 1871/72 abseits des Ortes am Krähenhügel. Der im Stil eines klassizistischen Tempels
gestaltete Bau wurde von Bernhard Schreiber entworfen und diente als Begräbnisort der Schlossbesitzerfamilie. 1944
wurde Hermann von Kap-herr als letzter in der Gruft beigesetzt. Nach Enteignung des Rittergutes verfiel das Mausoleum und wurde teilweise mutwillig beschädigt. Nachdem mehrfach Gräber aufgebrochen worden waren, sollte
das Gebäude in den 80er Jahren sogar gesprengt werden, was jedoch von engagierten Bürgern verhindert werden konnte. Das Mausoleum blieb so bis heute erhalten, bedarf jedoch einer Sanierung. |