Strehlen entstand im 11. Jahrhundert als slawisches Bauerndorf am Kaitzbach und
wurde 1288 erstmals als Strowelin erwähnt. Der Name bedeutet Ort des Strovela und weist auf den Sippenältesten der Siedlung hin. Die Strehlener Flur erstreckte sich
ursprünglich von der Bürgerwiese bis zum Koitzschgraben bei Reick und bestand aus zwei Teilen. Der am Frankenberg gelegene Teil (zwischen Lockwitzer und Teplitzer
Straße) wurde als Vorwerksflur bezeichnet und gehörte zu einem Herrengut. Die bäuerlichen Felder lagen “vor” und “hinter dem Steine”, d. h. in der Nähe des Großen Gartens und an der heutigen Reicker Straße.
1288 erhielt der Meißner Lorenzaltar Zinsrechte in Strehlen, bevor 1296 das Kloster
Altzella von Markgraf Friedrich einen Großteil des Dorfes erwarb und es dem Leubnitzer Klosterhof unterstellte. 1312 konnte mit dem Erwerb der Hälfte des
Vorwerks dieser Besitz noch vergrößert werden. Bis zur Reformation lenkten die Hofmeister von Leubnitz aus die Geschicke Strehlens. 1550 wurde das Dorf
gemeinsam mit Leubnitz und weiteren Orten der Lehnshoheit des Dresdner Rates unterstellt. 1676 mussten fast 60 Hektar Land für die Anlage des Großen Gartens an
Kurfürst Johann Georg II. abgetreten werden. Zu den größten Problemen der örtlichen Bevölkerung gehörten die häufigen Überschwemmungen des Kaitzbaches, welcher die Fluren bis zur Stadtgrenze unter
Wasser setzte. Bereits 1410 war bei Strehlen ein kleines Stauwehr angelegt worden, von welchem Wasserröhren bis zur Innenstadt führten. 1547 ist eine Mühle urkundlich erwähnt.
Foto: Dorfplatz Altstrehlen (Friedrich-August-Platz) um 1900 Schwer getroffen wurde der Ort während der Beschießung Dresdens im Jahr 1760. Große Teile des Dorfkerns fielen
dem Bombardement preußischer Artillerie zum Opfer. Auch 1813 gab es Schäden im Ort, den sich Napoleon wegen
seiner strategischen Lage als Beobachtungsposten ausgewählt hatte. Noch lange wurde diese Anhöhe an der heutigen Elsa-Brändström-Straße als Napoleonhügel bezeichnet. 1855 wurde Strehlen erneut bei einem großen Dorfbrand
zerstört. Im Anschluss entstanden die Güter neu und erhielten dabei ihr heutiges Aussehen. Zum Aufschwung trug auch
die bereits 1846 über Strehlener Flur führende Bahnlinie nach Böhmen bei, für die an der Oskarstraße ein Haltepunkt entstand. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Strehlen vom Bauerndorf zum bevorzugten Wohnort der Dresdner Oberschicht. Nach Erlass strenger
Baubestimmungen, die eine Ansiedlung gewerblicher Unternehmen weitgehend verhinderten, enstanden bis 1900 zahlreiche Villen an der Tiergarten- und Wiener Straße (Foto: Cäcilienstraße)
. Als neues Geschäftszentrum entwickelte sich ab 1870 der Wasaplatz. Sogar der sächsische König Albert ließ sich Ende des 19. Jahrhunderts eine Villa in Strehlen errichten. Zuvor befand sich auf diesem Gelände das Rote Haus, Sitz des
Strehlener Revierförsters. Seit 1882 besaß Strehlen Straßenbahnverbindung nach Dresden, die 1900 auf elektrischen
Betrieb umgestellt und später bis Leubnitz verlängert wurde. Am 1. Januar 1892 kam der aufstrebende Villenvorort nach mehrjährigen Verhandlungen zu Dresden
Nach der Eingemeindung ließ die Stadt für die verbliebenen Freiflächen einen neuen Bebauungsplan aufstellen. Dafür wurde der bisher offen fließende
Kaitzbach zum Teil kanalisiert und der Ortskern durch ein Rückhaltebecken vor Überschwemmungen geschützt. Bedeutendstes Bauvorhaben war die 1903-05 entstandene Christuskirche mit ihrer markanten Doppelturmfront, die am höchsten Punkt der Ortsflur errichtet wurde. Um die Kirche sind noch einige
historische Gehöfte von Altstrehlen erhalten geblieben, die heute meist gewerblich genutzt werden. In den Zwanziger
Jahren folgten Wohnblocks und Kleinhausviertel an der Teplitzer und Lockwitzer Straße und deren Seitenstraßen.
Bauherr waren verschiedene Siedlergemeinschaften und Genossenschaften. 1945 fielen einige Gebäude dem Luftangriff auf Dresden zum Opfer, vor allem im Bereich der Eisenbahnstrecke. Foto: Die in den Dreißiger Jahren entstandene Wohnanlage Dohnaer-/ Hugo-Bürkner-Straße
Trotz der dichten Besiedlung Strehlens blieben auch nach dem Zweiten Weltkrieg einige Flächen unbebaut. Nach Schließung der Bombenlücken wurde 1958 an der Grenze zu Gruna ein Gewerbegebiet angelegt, in dem sich u.a. das
Institut für Reinststoffe und der VEB Hochvakuum niederließen. Auf ehemaligem Gärtnereigelände entstand ab 1986 das Wohngebiet Reicker Straße mit dem erst 2001 eröffneten Otto-Dix-Center. E ine katholische Kirche gibt es seit
1962 an der Dohnaer Straße. Heute ist Strehlen vor allem Wohnvorort und Sitz zahlreicher Unternehmen, die die alten Villen in den letzten Jahren weitgehend sanierten.
Schulen in Strehlen: Dorfschule:
Ursprünglich gehörte Strehlen kirchlich und damit auch schulisch zur Frauen- bzw. zur Kreuzkirche im nahegelegenen Dresden. Erst um 1800 wurden die Kinder des
Dorfes in der angemieteten Schulstube eines Bauerngutes unterrichtet, da der Ort kein eigenes Schulhaus besaß. Nachdem dieses Gebäude den Kampfhandlungen von 1813 zum
Opfer gefallen war, wechselte auch die Schulstube ihren Standort. Der Unterricht wurde nun von einem ehemaligen Soldaten gehalten, bevor nach dessen Tod 1827 erstmals ein
ausgebildeter Lehrer für die Strehlener Kinder angestellt werden konnte. In diesem Zusammenhang forderte die zuständige Schulbehörde die Gemeinde auf, endlich ein richtiges Schulgebäude im Ort zu errichten.
Ein solches entstand 1828 an der Dohnaer Straße 16 und wurde am 28. April des Folgejahres eingeweiht. Die Pläne für
das noch erhaltene Gebäude stammten vom renommierten Architekten und Oberlandbaumeister Thormeyer. Neben den
Kindern des Dorfes Strehlen besuchten auch Zschertnitzer Schüler diese Schule. 1858 erhielt sie noch einen Anbau. Heute wird dieses Haus gewerblich genutzt und steht unter Denkmalschutz (Foto). 23. und 47. Volksschule: Nach dem das bisherige Schulhaus im Dorfkern nicht mehr
den Anforderungen genügte, errichtete die Gemeinde Strehlen 1874 einen Neubau an der Mockritzer Straße 19 (Foto). Nach der Eingemeindung Strehlens bezog diesen
die 23. Volksschule. 1939 entstand ein Erweiterungsbau an der Lockwitzer Straße (47. Volksschule). Im Keller dieses Gebäudes wurde am 14. Februar 1945 eine
Notaufnahme für Verletzte des Luftangriffes eingerichtet, in der u. a. der Arzt Dr. Rainer Fetscher tätig war. Die zur Schule gehörende Turnhalle war durch die Bomben
zerstört worden. Wenige Tage später bezog eine Dienststelle der Stadtverwaltung die Schulgebäude, welche mit der Betreuung der Ausgebombten und der Organsation der Lebensmittelversorgung befasst war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beide Gebäude bis 1990 als 47. bzw. 23. POS genutzt. Heute haben hier die 47.
Grundschule und eine heilpädagogische Bildungsstätte ihr Domizil. Im Hof erinnert eine 1883 gepflanzte “Luthereiche” an den 400. Geburtstag des Reformators. Pädagogisches Institut:
Das Gebäude an der Teplitzer Straße und am Weberplatz entstand zwischen 1906 und 1910 als Nachfolgeeinrichtung des Friedrichstädter Lehrerseminars und erhielt zunächst den Namen König-Friedrich-August- Lehrerseminar. Der am 6. April 1910 feierlich eingeweihte moderne Neubau (Foto) beherbergte neben dem eigentlichen Lehrgebäude auch eine Übungsschule und
einen Seitenflügel mit Aula. Blickfang des Komplexes bildete der markante Uhrturm unmittelbar neben dem Haupteingang.
Nach Auflösung aller sächsischen Lehrerseminare war hier ab 1923 das Pädagogische Institut der Technischen Hochschule untergebracht.
Erstmals in Sachsen erhielten Lehrer nun eine Hochschulausbildung, wodurch die bisherige Praxis des Lehrerseminars überwunden wurde.
Gründer und erster Direktor der Einrichtung war Richard Seyfert. Zu den bekanntesten Absolventen gehörte der spätere Schriftsteller Erich Kästner. 1935 wurde
das Seminar zur Hochschule für Lehrerbildung erhoben.
1945 wurde der Gebäudekomplex mit seinem Uhrturm schwer beschädigt, konnte jedoch z
wischen 1949 und 1954 in leicht veränderter Form wiederhergestellt werden. Zeitweise nutzten die Sektion Berufspädagogik der TU und die
Arbeiter-Bauern-Fakultät die Räumlichkeiten. Seit 1993 befinden sich hier die Hörsäle und Seminarräume der Fakultät
Erziehungswissenschaften der Technischen Universität. In unmittelbarer Nachbarschaft entstanden 1972 die fünf Studentenwohnheime der Wundtstraße. Palucca-Schule: Die 1925 von Gret Palucca gegründete Privatschule für
künstlerischen Tanz erhielt nach dem Zweiten Weltkrieg am Basteiplatz ein neues Unterrichtsgebäude. Nachdem die Einrichtung 1939 von den Nazis zwangsweise
geschlossen wurde, konnte die bekannte Tanzpädagogin hier an ihre bisherige Tätigkeit anknüpfen und junge Leute im Ausdruckstanz unterrichten. Bis ins hohe
Alter leitete Gret Palucca ihre Schule, die auch heute noch Ballett-Tänzer in verschiedenen Stilrichtungen ausbildet.
Am 1. April 1949 wurde die Palucca-Schule zur Staatlichen Fachschule für
Künstlerischen Tanz erhoben und hat seit 1993 den Status einer Hochschule. Das Hauptgebäude am Basteiplatz (Foto)
entstand 1955 und wurde mehrfach erweitert. Außerdem gehören die Villen Tiergartenstraße 78 und 80 zur Schule. Ein
moderner Ergänzungsbau wurde ab 2004 nach einem Entwurf des Büros Storch, Ehlers & Partner errichtet und 2007 seiner Bestimmung übergeben. Weiterführende Literatur und Quellen
Strehlener Nachrichten 11. Mai 2010:
Ein kostenloser Wegweiser durch das Wohngebiet Am Koitschgraben ist ab sofort im Stadtteilbüro auf der Walter-Arnold-Straße erhältlich. Die Broschüre informiert über verschiedene Angebote im Wohnviertel und wurde vom Quartiersmanagement erarbeitet.
17. März 2010:
Der geplante Wiederaufbau des Kugelhauses am Lennéplatz ist vorerst gescheitert. Grund sind fehlende Fördermittel. Derzeit prüft der Investor, ob und in welcher Form das Vorhaben dennoch realisiert werden kann.
4. März 2010: Auf der Lockwitzer Straße wird ein neuer Frida-Frischemarkt des Konsum eröffnet. Zuvor befand sich in den Räumen ein Edeka-Markt.
12. Februar 2010:
Die Einmündung der Dohnaer Straße in Altstrehlen soll noch in diesem Jahr umgestaltet werden. U.a. ist hier eine Verkehrsinsel geplant, um Fußgängern das Überqueren der Straße zu erleichtern. 8. Februar 2010:
Am 25. März öffnet im Konsum-Lebensmittelmarkt Lockwitzer Str. 15 eine neue Postfiliale. Angeboten werden fast alle postalischen Leistungen von der Brief- und Paketannahme bis zur Beauftragung von Einschreiben und Nachsendeaufträgen. Die neue Filiale ersetzt das bisherige Postamt Heinrich-Zille-Straße.
22. Dezember 2009:
Die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete und im Jahr 2000 bei einem Brand beschädigte Villa Wasastraße 1 wird im kommenden Jahr wieder bezogen. 2009 hatte ein Investor das Gebäude erworben, der es nach historischem Vorbild wiederherstellen ließ und künftig als privaten Wohnsitz nutzt.
26. November 2009:
Das unter Denkmalschutz stehende “Blaue Haus” an der Ecke Gerhard- Hauptmann-/Tiergartenstraße wird ab März kommenden Jahres saniert und zu einem altergerechten
Wohnhaus ausgebaut werden. Vorgesehen sind u.a. der Einbau neuer Fahrstühle und der Anbau von Balkons. Nach der Fertigstellung stehen 68 Wohnungen zur Verfügung.
24. November 2009: Eröffnung des neuen Altenwohn- und Pflegeheims “Domizil am Zoo” an der Gerhart-Hauptmann-Straße. Erstmals in einer sächsischen Senioreneinrichtung werden hier die
Ideen des Heilkundlers Sebastian Kneipp umgesetzt. Außerdem stehen rollstuhlgerechte Räume, Räume für stationäre Pflege und eine Kurzzeitpflegeeinrichtung zur Verfügung.
20. November 2009: Die um 1930 entstandene Fußgängerbrücke über den Kaitzbach im Strehlener Dorfkern wird derzeit saniert. Gegenwärtig laufen die letzten Arbeiten am Bauwerk.
10. Oktober 2009: Vor dem seit mehreren Jahren leerstehenden Gebäude der Bundesanstalt für Arbeitsschutz an der Gerhard-Hauptmann-Straße soll im kommenden Frühjahr mit dem Nachbau
des 1938 abgerissenen Kugelhauses begonnen werden. Im Inneren des Gebäudes sind gastronomische Einrichtungen und Büros geplant. 5. Oktober 2009:
Eröffnung des renovierten Studentenwohnheims auf der Wundtstraße 7. 7. August 2009: Bis zum Herbst soll die Sanierung des Studentenwohnheims Wundtstraße 7
abgeschlossen sein. Nach der Erneuerung stehen hier 101 Einzelappartements, 28 Zweiraum- und 30 Familienwohnungen bereit. 23. Juli 2009:
Ab kommendem Frühjahr sind in Strehlen regelmäßige Stadtteilführungen geplant. Die historischen Rundgänge werden vom Lokalhistoriker Falk Fritzsche organisiert und sollen
kleineren Gruppen die interessantesten Plätze des Ortsteils vorstellen. 1. Juli 2009: Auf dem Grundstück Wiener Straße / Franz-Liszt-Straße sollen zwei Stadthäuser mit
Eigentumswohnungen entstehen. Die ursprünglich hier befindliche Villa war 1945 zerstört und später abgerissen worden. 1. Juli 2009:
Geplanter Eröffnungstag für das neue Seniorendomizil an der Gerhard-Hauptmann- Straße. Künftig stehen hier 134 Pflegeplätze und 300 Appartements für Betreutes Wohnen zur Verfügung.
9. Juni 2009: Das Gemeindehaus der Strehlener Christuskirche wird derzeit erneuert. U.a. erhält
das Haus ein neues Dach und neue Fenster. Die Finanzierung erfolgt durch die Gemeinde und mit Unterstützung der Landeskirche. 18. April 2009:
Auf dem Grundstück Reicker Straße 30 soll noch in diesem Jahr ein neuer Spielplatz für die Kita “Schatzinsel” angelegt werden. Gemeinsam mit den Eltern und einigen
Spendern soll der neue Platz im September übergeben werden. 8. April 2009: Auf dem Grundstück Tiergartenstraße 28 wird eine Gedenkstele zur Erinnerung an
die Stifterfamilie Arnold eingeweiht. Die Finanzierung der von der Dresdner Künstlerin Erika Lust geschaffenen Stele erfolgte durch die Bürgerstiftung in Kooperation mit einer Steuerberatungs-
gesellschaft. |
|
|