Briesnitz wurde 1071 erstmals als Bresnica erwähnt und war Standort einer slawischen
Wallanlage. Der Ortsname wurde vermutlich vom slawischen “breza” abgeleitet, was übersetzt Birke bedeutet. Im Zuge der deutschen Ostkolonisation entstand in Briesnitz ein deutscher
Burgward, der den politischen und kirchlichen Mittelpunkt der Orte im oberen Elbtal bildete. Als militärischer Stützpunkt sicherte die Anlage zugleich den wichtigen Elbübergang des
“Bischofsweges” von Meißen nach Stolpen, der hier in einer Furt den Fluss überquerte. Reste der Wehranlage wurden 1991 bei Bauarbeiten an der Meißner Landstraße entdeckt und sind heute Teil einer kleinen Freilichtanlage.
Mit Festigung der deutschen Herrschaft im Elbraum verlor der Burgward Briesnitz im 13. Jh. seine militärische Funktion, wurde jedoch 1269 Sitz eines Archidiakons (kirchlicher Würdenträger) und eines bischöfliches
Gericht. Zeitweise unterstanden 40 Orte diesem “Dingstuhl”, dessen Entscheidungen im “Briesnitzer Rügenbuch” festgehalten wurden. Die um 1100 entstandene Kirche mit ihrer Schule wurde noch bis ins 19. Jh. von den Bewohnern
der umliegenden Dörfern besucht. Mit der Reformation endete die Herrschaft des Bischofs von Meißen in Briesnitz.
Erst durch die in diesem Zusammenhang erfolgte Auflösung der beiden bestehenden bischöflichen Vorwerke 1559
konnte sich der Ort zum Bauerndorf entwickeln und unterstand nun dem Amt Dresden. 1764 lebten zehn Gutsbesitzer, neun Gärtner und sieben Häusler in Briesnitz. Im 18. Jh. entdeckten wohlhabende Dresdner Familien die reizvolle Lage am Elbbogen
und erwarben hier Landbesitz. 1760 ließ der Oberst Römer ein Gartenhaus mit einem
romantischen Park und einer Neptungrotte anlegen, der im Zuge des Eisenbahnbaus 1875 jedoch weitgehend zerstört wurde. 1769 entstand aus dem früheren Vorwerk das “Bennogut” (Foto), dessen Name an den sagenhaften Meißner Bischof Benno erinnert.
Dieses Gut war bis 1830 im Besitz des sächsischen Ministers Detlev Graf von Einsiedel, ab 1840 der Familie Schunck. 1893 erwarb der Cottaer Brauereiunternehmer Bürstinghaus das Anwesen und ließ einen
neuen Park anlegen, der noch heute zu beiden Seiten der Meißner Landstraße erhalten geblieben ist. Ende des 19. Jh. entstanden in Briesnitz weitere Mietshäuser und Gewerbebetriebe,
die die Landwirtschaft weiter zurückdrängten. 1899 erhielt der Ort ein eigenes Wasserwerk. 1904 wurde bei Brunnenbohrungen eine eisenhaltige Mineralquelle entdeckt, die 1910 zur Gründung der “Briesnitzer Stahlquelle
GmbH” führte. Das Wasser wurde als Tafel- und Heilwasser verkauft. Später übernahm der Mineralwasserbetrieb “Bramsch” Abfüllung und Verkauf des Wassers.
Am 22. November 1911 konstituierte sich im Gasthof Briesnitz die gemeinnützige
“Eigenheim-Siedelung Briesnitz-Dresden e.G.m.b.H.” zur Errichtung einer Eigenheimsiedlung auf Briesnitzer Flur. Nach Plänen der Architekten Ludloff und
Stieger wurde ein Bebauungsplan zur Errichtung einer Gartenstadt aufgestellt und mit dessen Umsetzung begonnen. Dafür mussten einige zuvor landwirtschaftlich
genutzte Flächen von Briesnitzer Gutsbesitzern aufgekauft werden. Im Mai 1912 konnte an der Hammeraue der Grundstein für das erste Haus gelegt werden. Bis
zum Beginn des Ersten Weltkrieges entstanden insgesamt 138 Häuser mit Gärten, Spielplätzen und öffentlichen Grünflächen (Foto: Straße Eigenhufe um 1914).
Nach der Eingemeindung des Ortes am 1. 4. 1921 wurde diese Siedlung zwischen 1924 und 1939 erweitert. Zunächst
errichtete man unter Leitung von Curt Herfurth noch einige Eigenheime, ab 1927 jedoch nur noch Mietwohnungen. Der
architektonisch interessante Baukomplex steht heute als Zeugnis des sozialen Wohnungsbaus aus der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts unter Denkmalschutz. Die Häuser befinden sich in Privatbesitz bzw. gehören der Eisenbahner-
Wohnungsbaugenossenschaft. Erhalten sind in Briesnitz außerdem eine Reihe historischer Gebäude des alten Dorfkerns rund um die Kirche. Schulen in Briesnitz:
Bereits 1511 wurde erstmals ein Schulmeister in Briesnitz erwähnt. Nach Zerstörung des alten Schulhauses durch Blitzschlag wurde1685 in der Nähe der Kirche ein Neubau errichtet, der auch
von den Kindern der 27 Orte des Briesnitzer Kirchspiels besucht wurde. Das Gebäude (Alte Meißner Landstraße 67) ist noch erhalten und steht als ältestes Dresdner Schulhaus unter Denkmalschutz (Foto)
. Um 1880 erfolgte ein Umbau zum Wohnhaus. Im Inneren befindet sich seit einigen Jahren eine kleine Ausstellung zur Briesnitzer Schulgeschichte.
1880 errichtete die Gemeinde an der Merbitzer Straße 9 ein neues größeres Schulgebäude. Zugleich entstanden auch in den Nachbarorten eigene Schulen, die zur Auflösung der bisherigen
Schulgemeinde führten. 1903 folgte der Bau einer Turnhalle, 1927 die Anlage eines Schulgartens. Die für damalige
Zeiten moderne Schule wurde 1909 erweitert und besaß sieben Klassenzimmer, einen Zeichensaal, Kochschule und Wannenbad. Auf dem Grundstück der früheren Stadtgärtnerei wurde nach 1945 ein Sportplatz angelegt. Das
Briesnitzer Schulhaus wird heute von der 76. Grund- und Mittelschule genutzt. Weiterführende Literatur und Quellen
Briesnitzer Nachrichten 29. März 2010: An der Gottfried-Keller-Straße wird mit dem Neubau eines Kindergartens begonnen. 15. Januar 2010:
Am Lehmberg wird eine neue Kita mit 135 Plätzen entstehen. Baubeginn für das Gebäude ist im März. Künftig können hier 45 Krippen- und 90 Kindergartenkinder betreut werden. Das Projekt entsteht nach dem Vorbild der bereits fertigen Kita auf der Berzdorfer Straße in Prohlis und soll im kommenden Frühjahr bezugsfertig sein.
15. Januar 2010:
Noch in diesem Jahr soll die Planung für eine neue Sporthalle der 76. Grund- und Mittelschule beginnen. Die Finanzierung soll über Fördermittel des Freistaats erfolgen. Der genaue Baubeginn steht noch nicht fest.
27. November 2009:
Vertreter der Briesnitzer Kirchgemeinde übergeben der 76. Grund- und Mittelschule eine neue Schulchronik. Die Dokumentation war in den vergangenen Monaten von
Briesnitzer Jugendlichen erarbeitet worden. Für die zugehörige Ausstellung erhielten sie einen Preis beim 5. Sächsischen Jugendgeschichtstag.24. Juli 2009:
Im Briesnitzer “Bennogut”, Altbriesnitz 4, wird die erste Wohnung bezogen. Der zuletzt von einer Denkmalpflegefirma genutzte Gebäudekomplex wird derzeit in Privatinitiative
saniert und zur Wohnanlage ausgebaut. Geplant sind insgesamt 11 Wohnungen, wobei die Rekonstruktion vorhandene Architekturdetails berücksichtigt und weitgehend mit natürlichen Baustoffen erfolgt.
17. Juli 2009: Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten kann der Turm der Briesnitzer Kirche ab
sofort wieder bestiegen werden. Bis Ende September hat der Turm jeweils sonnabends zwischen 18 und 19 Uhr geöffnet.
Literatur zu Briesnitz und anderen Stadtteilen finden Sie auch hier:
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