Die Weißeritzstraße wurde Ende des 17. Jahrhunderts am Ufer der Weißeritz angelegt
und trug ursprünglich den Namen An der Wasserseite. Später bezeichnete man sie zeitweise auch als Wasserstraße bzw. An der Weißeritz, bevor sich schließlich der
Name Weißeritzstraße durchsetzte. Wegen des Flussbettes konnte sie zunächst nur an der Westseite (Foto vor 1945) bebaut werden. Die östliche Straßenseite zum Flussufer
zu gestaltete man zwischen 1742 und 1747 als Grünanlage mit Alleebäumen und Rabatten. Hier fand später auch das 1915 zum Hohenthalplatz umgesetzte Denkmal König Antons Aufstellung.
Ursprünglich befand sich die Mündung der Weißeritz in der Nähe der heutigen Marienbrücke. Im Zuge der Umgestaltung
der Dresdner Bahnanlagen, dem Bau des Alberthafens und des Rangierbahnhofes erfolgte zwischen 1891-93 die Verlegung
der Weißeritzmündung nach Cotta. Dabei wurde zwischen Löbtau und Cotta ein neues Flussbett geschaffen und eine
Uferstraße angelegt (heute Emerich-Ambros-Ufer). Das alte Bett entlang der Weißeritzstraße verfüllte man daraufhin. In
diesem Zusammenhang verschwanden auch die beiden Brücken an der Schäfer- und der Friedrichstraße. Auf dem auf dem ehemaligen Flusslauf gewonnenen Grund entstanden um 1900 verschiedene
gewerbliche Einrichtungen, darunter die Großmarkthalle, das Kühlhaus und die Zigarettenfabrik Yenidze. Hinzu kamen die Hochgleisanlagen der Staatsbahn mit dem Bahnhof Wettiner Straße
(heute Bahnhof Mitte). Trotz Kriegszerstörungen und einiger Abrisse in den 1970er und 80er Jahren blieb das Straßenbild der Weißeritzstraße bis heute zumindest in den Grundzügen
erhalten. Für Schäden sorgten mehrfach Hochwasserfluten, bei denen sich die Weißeritz ihr altes Bett zurückeroberte. So überflutete der Fluss im Sommer 1897, 1958 und zuletzt im August 2002 (Foto)
die Weißeritzstraße und große Teile der angrenzenden Friedrichstadt.
Einzelne Gebäude: Kühlhaus:
Das monumentale Gebäude entstand 1910/11 an der Einmündung Weißeritzstraße / Magdeburger Straße für die
Dresdner Kristalleisfabrik und Kühlhalle und diente hauptsächlich der Lagerung von Lebensmitteln. 1930 wurde das Haus
durch einen Ergänzungsbau mit einem neuen Kühlturm ergänzt. Der Entwurf dafür stammte von Hans Max Kühne, Mitinhaber des bekannten Dresdner Architektenbüros Lossow & Kühne. Kühne gliederte den Neubau mit einfachen
Mitteln unter Verwendung von Elementen der Neuen Sachlichkeit sowie des Art-deco-Stils. Ein ursprünglich geplanter Büroflügel auf dem Nachbargrundstück wurde nicht realisiert.
1945 fiel das Kühlhaus teilweise dem Luftangriff zum Opfer. Zerstört wurde vor allem der Mittelteil sowie der ältere Bau an
der Magdeburger Straße 1. Bis 1951 erfolgte der Wiederaufbau. An diesen erinnerte an der Fassade ein monumentales
Reliefbild mit Darstellung eines Arbeiters und dem Logo des ersten DDR-Fünfjahrplanes. 2005 wurde das bereits nach
1990 nicht mehr genutzte Kühlhaus abgerissen. Das beim Abriss beschädigte Relief konnte geborgen und für eine spätere
Wiederverwendung eingelagert werden. An Stelle des Kühlhauses entstand bis Ende 2006 ein Parkhaus, der Bau eines
Hotels begann 2007. Das neue Haus besitzt 162 Zimmer wird wir von der Leonardo-Gruppe unter dem Namen “L Hotel Dresden Altstadt” als Drei-Sterne-Hotel superior betrieben. Fotos: Abriss des Kühlhauses im Dezember 2005 - Relieftafel an der Fassade Nr. 40:
Das Wohn- und Geschäftshaus entstand 1895 in einer geschlossenen Baufront und wurde in historisierenden
Architekturformen ausgeführt. Interessant ist die farbige Gestaltung des Hausflures mit Stuckdecken, Karyatiden und bunten Mosaikfliesen. Eine ähnliche Ausgestaltung findet sich auch im Nachbarhaus Weißeritzstraße 42. Nr. 52:
Die Gebäudegruppe Weißeritzstraße 52, Adlergasse 13 und Wachsbleichstraße 2/2a wurde 1898 vom Architektenbüro Lätzig & Clages errichtet und gehört zu den repräsentativsten Wohn- und
Geschäftshäusern in der Friedrichstadt. Für die Fassadengestaltung wählte man spätgotische Elemente mit Spitzbogenfenstern und Reliefschmuck im Stil des 15. Jahrhunderts. Im Erdgeschoss befinden sich
Ladeneinbauten, die oberen Etagen dienen Wohnzwecken.
Nr. 62: Das Gebäude an der Weißeritzstraße überstand als eines der wenigen älteren Wohngebäude sowohl die
Zerstörungen 1945 als auch die späteren Abbrüche in den 1970er Jahren. Das Erdgeschoss beherbergte einst eine
“Oelmühle”, während die Obergeschosse zu Wohnzwecken genutzt wurden. 2009 stürzten Teile des stark verfallenen Gebäudes ein, was zum Abbruch des denkmalgeschützten Hauses führte. Nr. 72:
Das aus zwei später vereinigten Einzelgebäuden bestehende Fachwerkhaus überstand als einziges einer Gruppe von
Wohnhäusern des 18. Jahrhunderts die Zerstörungen des Jahres 1945. Errichtet wurde es 1724/25 vom Amtszimmerpolier
Christian Schieritz, der in die Fassade das ehemalige Eingangsportal des “Trompeterschlösschens” einfügte. Zuletzt befanden sich hier eine Papierwarenhandlung mit Leihbücherei sowie eine Messerschleiferei.
Obwohl das Gebäude seit 1975 auf der Denkmalliste stand, wurde es 1987 für eine vorgesehene, aber nie realisierte
Neubebauung des Areals zwischen Weißeritzstraße und Adlergasse abgerissen. Lediglich das wertvolle Renaissanceportal konnte geborgen und für eine spätere Verwendung eingelagert werden. |