Die Geschichte des heutigen Universitätsklinikums reicht bis 18. Jahrhundert zurück. Bereits am 18. November 1748 war auch in Sachsen nach dem Vorbild anderer Länder das “Collegium medico-chirurgicum” als
erste ärztliche Ausbildungsstätte Dresdens gegründet worden. Die Einrichtung befand sich in einem Flügel des Neustädter Kasernenkomplexes an der Hauptstraße und diente vorrangig der Aus- und Weiterbildung von ärztlichem
Fachpersonal, welches in den Grundlagen von Anatomie, Pathologie, Therapie und Chirurgie unterrichtet wurde. Angeschlossen war ein als “Charité” bezeichnetes Hospital. 1781 kam ein Hebammeninstitut, 1786 eine
zahnchirurgische Abteilung hinzu. Im August 1813 musste das Collegium medico-chirurgicum in Folge der Napoleonischen Kriege geschlossen werden. Zwei Jahre später entstand jedoch im Kurländer Palais eine neue
Chirurgisch-Medizinische Akademie, deren Finanzierung durch den König erfolgte. Diese bestand aus zwei Abteilungen für Chirurgie und Innere Medizin und verfügte insgesamt über 40 Betten. Zu den bedeutendsten Ärzten
dieser Einrichtung gehörte Carl Gustav Carus, dessen Namen das heutige Universitätsklinikum trägt. Nachdem die bereits bestehenden medizinischen Einrichtungen nicht mehr den Anforderungen und der gestiegenen Bevölkerungszahl genügten, entschloss sich die
Stadt Dresden 1898 zum Erwerb eines Teils des “Birkenwäldchens” am Rande der Johannstadt. Auf dem ca. 63.000 m² großen Grundstück des früheren “Maternifeldes”
errichtete Stadtbaurat Edmund Bräter zwischen 1898 und 1901 ein neues Großkrankenhaus (Foto). Der Komplex bestand zunächst aus zehn Kranken- und
sechs Wirtschaftsgebäuden, welche durch ein unterirdisches Gangsystem miteinander verbunden waren. Die offizielle Eröffnung der ersten Stationen erfolgte am 2. Dezember 1901. An der Terscheckstraße
folgte wenig später die Staatliche Frauenklinik.
In den Anfangsjahren besaß das neue Krankenhaus Johannstadt 581 Betten in 24 Krankensälen und 79 Zimmern. Neben den notwendigen technischen Einrichtungen
gehörten zur Klinik ein separates Haus für Geisteskranke, zwei Quarantänestationen für Patienten mit ansteckenden Krankheiten, ein Doppelhaus für die Chirurgie sowie Abteilungen für
Sonderkranke, Augen- und Hals-Nasen-Ohren-Leiden. 1913 und 1915 folgten Erweiterungsbauten für die Innere
Abteilung, 1929/30 die Neubauten der Kinderklinik und einer Schwesternschule. Zu den medizinischen Pionierleistungen
gehörte die Gründung der ersten europäischen Diabetikerambulanz 1920 sowie die Einrichtung eines separaten Röntgeninstitutes durch den Internisten Dr. Otto Rostoski. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise geriet das Johannstädter Krankenhaus in massive
wirtschaftliche Schwierigkeiten und blieb zwischen 1932 und 1934 sogar geschlossen. Erst im Zuge der Neuordnung des Gesundheitswesens wurde es unter dem Namen “Rudolf-Hess-Krankenhaus” wieder eröffnet.
Nach der spektakulären Flucht des NS-Politikers nach England 1942 wechselte der Name in Krankenhaus Fürstenstraße, später in Gerhard-Wagner-Krankenhaus. Zeitweise war die Umwandlung zu einem
“biologischen Krankenhaus” im Sinne der nationalsozialistischen “Neuen deutschen Heilkunde” und die Errichtung einer Akademie für Naturheilkunde geplant, welche jedoch nicht zustande kamen.
Beim Bombenangriff am 13./14. Februar 1945 wurden auch zahlreiche Gebäude des Johannstädter Krankenhauses getroffen, brannten aus oder wurden völlig zerstört. Trotzdem gelang es schon bald, wieder einen Notbetrieb
aufzunehmen, bevor 1948 der etappenweise Wiederaufbau begann. In diesem Zusammenhang erweiterte man das Krankenhausgelände durch Einbeziehung des Fiedlerplatzes und des früheren König-Georg-Gymnasiums bis zur Flurgrenze nach Blasewitz.
Am 7. September 1954 erfolgte die Gründung einer Medizinischen Akademie, welche nicht nur die medizinische Forschung beleben, sondern zugleich der Ausbildung junger Ärzte und Schwestern dienen sollte. Als Zentrum der
Einrichtung wählte man das Johannstädter Krankenhaus aus, obwohl die Lehrveranstaltungen zunächst auch im Friedrichstädter Krankenhaus stattfanden. Zum Rektor ernannte man den Chirurgen Prof. Dr. Albert Bernhard Fromme.
Bereits im ersten Studienjahr belegten 52 Human- und 39 Zahnmedizinstudenten die angebotenen Studiengänge. Wenig
später erhielt die umgangssprachlich kurz “Medak” genannte Einrichtung offiziell den Namen des Malers und Arztes Carl
Gustav Carus verliehen. Bis 1958 wurden alle in Johannstadt bestehenden Kliniken und Institute, darunter auch die zuvor
rechtlich selbständige Frauenklinik, in die Medizinische Akademie einbezogen. Für diese entstanden nun weitere
Neubauten, mehrere Studenten- und Schwesternwohnheime und 1976 am Fiedlerplatz eine Poliklinik für die ambulante Patientenbetreuung. Zu den hier wirkenden renommierten Medizinern gehörten der Dermatologe Heinz-Egon
Kleine-Natrop, der Chirurg Hans Bernhard Sprung, der Gynäkologe Robert Ganse, der Augenarzt Fritz Müller und der HNO-Arzt Fredo Günnel. Bis zu ihrer Auflösung 1993 gehörte die “Medak” zu den wichtigsten medizinischen
Einrichtungen im Osten Deutschlands. Zum 1. Oktober 1993 wurde die Medizinische Akademie im Zuge der Neugliederung der sächsischen
Hochschullandschaft als Medizinische Fakultät an die Technische Universität angeschlossen und wird nach einer
Rechtsformänderung seit Juli 1999 als Universitätsklinikum “Carl Gustav Carus” bezeichnet. Derzeit sind hier über 3.600
Mitarbeiter an 21 Fachkliniken, fünf interdisziplinären Zentren und drei Instituten beschäftigt. Für die jährlich ca. 220.000
Patienten stehen 1.200 Betten zur Verfügung. Moderne Um- und Neubauten entstehen derzeit für das geplante Diagnostisch-Internistisch-Neurologische Zentrum sowie für das zur Klinik gehörende Cochlear Implant Centrum der
HNO-Klinik. Einzelne Gebäude: Frauenklinik:
Die Johannstädter Frauenklinik geht auf eine 1775 gegründete private Hebammenschule zurück. Diese hatte
ihr Domizil in der früheren Neustädter Kaserne und wurde im 19. Jahrhundert zur Königlichen Frauenklinik umgewandelt.
Da die Räumlichkeiten in der Neustadt nicht mehr den gewachsenen Anforderungen genügten, entstand 1903 ein Neubau
an der Pfotenhauer-/Ecke Fürstenstraße. Trotz der Nähe zum 1901 eröffneten Stadtkrankenhaus blieb die Frauenklinik
auch weiterhin selbstständig und kam erst 1956 organisatorisch zur Medizinischen Akademie. Am wiederaufgebauten
Gebäude erinnert seit 2005 eine Gedenktafel an die ca. 200 beim Bombenangriff 1945 in der Frauenklinik ums Leben gekommenen Kinder, Mütter und Angestellten. Orthopädische Klinik:
Die Gebäude der 1945 schwer beschädigten Frauenklinik wurden 1953/54 in leicht veränderter Form wiederaufgebaut und beherbergen seitdem die Orthopädische Klinik. Die architektonische Gestaltung übernahmen
die Architekten Alexander Künzer und Wolfgang Klossek. An der Fassade befindet sich ein Relief der Bildhauerin Magdalena Gressner. Chirurgische Klinik:
Dieses Klinikgebäude entstand zwischen 1952 und 1955 unter Einbeziehung der Ruinen des zerstörten Schwesternhauses der Kinderklinik. Neben Operationssälen und Krankenzimmern erhielt das Gebäude auch
einen Hörsaal für die Medizinstudenten und Räume für die Bibliothek. Die Planungen des Wiederaufbaus oblagen Heinz
Mersiowsky und Günter Wild. 2008 wurde die Klinik (Haus 19) für das neue Internistisch-Neurologische Zentrum umgebaut. Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik:
Die neue Klinik entstand 2008/09 im Gebäude der früheren Augenklinik und besitzt 16 Patientenzimmer, Behandlungs- und Theraoieräume. Außerdem gibt es mehrere teilstationäre Plätze.
Neurologisches Zentrum: Das nach modernsten Kriterien ausgestattete Diagnostisch-Internistisch-Neurologische Zentrum
entstand ab 2007 in einem modernen Neubau (Haus 27) und wird künftig 213 Pflegebetten im Neubau und 120 Betten in der ehemaligen Chirurgischen Klinik besitzen. Die Fertigstellung ist für 2011 vorgesehen.
Pathologisches Institut: Das vorrangig der medizinischen Forschung und der Studentenausbildung dienende Institut bezog
1962 einen Neubau an der Schubertstraße 15. Unter Leitung der Architekten Manfred Grafe und Karl Richter entstand ein moderner dreigeschossiger Zweckbau mit einem Hörsaal. Kinderklinik:
Die Kinderklinik wurde zwischen 1927 und 1930 nach einem Entwurf des Dresdner Stadtbaurates Paul Wolf errichtet. Vorläufer war eine bereits 1897 als erste derartige Einrichtung in der Welt gegründete Säuglingsklinik auf der Arnoldstraße 1. Das anlässlich der II. Internationalen Hygieneausstellung am 15. Mai 1930 eröffnete moderne
Gebäude (Foto) im Bauhausstil bestand aus zwei durch einen überdachten Gang miteinander verbundenen Flügeln und besaß an den Patientenzimmern ca. 100 Meter
lange durchgehende Balkons, welche bei schönem Wetter den Aufenthalt im Freien erlaubten. Außerdem gab es einen Hörsaal mit 120 Plätzen, die Kinderpoliklinik, eine Bibliothek und Arbeits-, Wohn-
und Speiseräume für das Personal. Der ursprünglich geplante vierte Flügel, ein Mütter- und Säuglingsheim, wurde aus finanziellen Gründen nicht realisiert.
1945 wurde die Kinderklinik schwer beschädigt und 1946 als erstes Krankenhausgebäude wiederaufgebaut. Ab 1954
gehörte sie zur Medizinischen Akademie und wurde bis 1968 von Professor Georg Harnapp geleitet. Trotz mehrfacher
Renovierung erwies sich das Haus nach 1990 als nicht mehr sanierungswürdig und wurde deshalb 1999 abgerissen. An
gleicher Stelle entstand eine 2003 eröffnete moderne Frauen- und Kinderklinik mit 250 Betten. Die Planungen des fünfgeschossigen Neubaus an der Pfotenhauerstraße stammen vom Büro Heinle, Wischer und Partner.
Schwesternschule: Das Gebäude entstand in den Zwanziger Jahren nach Plänen von Stadtbaurat Wolf im Bauhausstil.
Hier erfolgte die Ausbildung der für die Klinik benötigten Krankenschwestern. 1990/92 wurden die Häuser saniert. In
diesem Zusammenhang erhielt der Innenhof einen kleinen Brunnen, welcher von der Dresdner Bildhauerin Heidemarie
Dreßel gestaltet wurde. In einem bereits vorhandenen Wasserbecken befinden sich verschiedene Keramikelemente, die geschickt Bezug auf die Architektur des Gebäudes nehmen. Rektorat:
1955/56 wurde an der Fiedlerstraße in klassischer Bauweise ein Verwaltungsgebäude für die Medizinische Akademie errichtet. Die Planungen stammen von Heinz Mersiowsky, welcher für mehrere Nachkriegsneubauten der
Klinik verantwortlich zeichnete. Neben dem Rektorat wurden hier auch Büros, wissenschaftliche Fachkabinette und ein Hörsaal mit 300 Plätzen untergebracht. Krankenhauskapelle:
Die neoromanische Kapelle entstand zeitgleich mit dem Bau des Stadtkrankenhauses nach Plänen Edmund Bräters und wurde am 2. Dezember 1901
geweiht. Einige Reliefs und Plastiken am Turm und der Westfassade stammten von Otto Schilling, die Glasfenster schuf der Historienmaler Eugen Louis Otto. Im Inneren besaß die
Kirche eine Kanzel aus Kiefernholz, dazu passendes Gestühl und hölzerne Emporen sowie eine Orgel der Firma Jehmlich. Der Altar aus französischem Kalkstein war mit einer
Reliefdarstellung der Ölbergszene und einem Triumphkreuz Oscar Rassaus verziert. Künstlerisch orientierte sich das zur seelsorgerischen Betreuung der Patienten gedachte Gotteshaus am gerade aufkommenden Jugendstil.
Nach Machtübernahme der Nazis sollte die Krankenhauskapelle mit ihrem 30 Meter hohen Turm ebenso wie einige
Wirtschaftsgebäude zugunsten eines zentralen Platzes abgerissen werden. Kriegsbedingt kam es jedoch nicht mehr dazu.
Allerdings wurde auch die Kirche 1945 schwer beschädigt und brannte aus. Obwohl ein Wiederaufbau durchaus möglich
gewesen wäre, entschied sich die Klinikleitung 1946 für den Abriss der Ruine. Dieser erfolgte vier Jahre später. Fortan
standen lediglich zwei Dienstzimmer sowie ein “Raum der Stille” im Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes für die Seelsorge zur Verfügung.
Erst nach der politischen Wende konnte am 5. Dezember 2000 auf dem Platz der ehemaligen Kapelle der Grundstein für
einen Neubau gelegt werden. Das ökumenisch genutzte Seelsorgezentrum entstand nach Plänen von Johannes Kister, Richard Scheithauer und Susanne Gross in modernen Bauformen und wurde am 2. Dezember 2001 geweiht. Beim Bau
entdeckte Fragmente der früheren Krankenhauskirche sind heute in einer kleinen Parkanlage zu besichtigen. Küchenhaus:
Das Gebäude wurde als zentrales Versorgungshaus für alle Abteilungen des Stadtkrankenhauses erbaut und erhielt eine moderne Großküche mit zehn Dampfkochkesseln, zwei Bratherden und weiterer Küchentechnik. Im gleichen
Haus befanden sich auch Speiseräume für das Krankenhauspersonal, Wohnungen für die Angestellten sowie die krankenhauseigene Fleischerei. Hinzu kamen Lagerräume für Lebensmittel und Getränke.
Versorgungszentrum: Das im Haus 60 untergebrachte neue Versorgungszentrum entstand 2009 und beherbergt Räume für Logistik und Einkauf sowie die Klinikapotheke. Zahnklinik:
Das zwischen 1905 und 1907 errichtete Gebäude der heutigen Zahnklinik diente bis 1945 als Domizil des König-Georg-Gymnasiums. Die Pläne für den Monumentalbau stammen von Stadtbaurat Hans Erlwein, den plastischen
Fassadenschmuck schuf der Bildhauer Groß. 1945 wurde das Gebäude vor allem im Dachgeschoss beschädigt, blieb in
seiner Grundsubstanz jedoch erhalten. Zunächst als Poliklinik der Medizinischen Akademie genutzt, beherbergt es heute die Zahnklinik des Universitätsklinikums und wurde 2010 umfassend saniert.
Herzzentrum: Das neue Herzzentrum wurde 1994 auf einem Grundstück an der Schubertstraße erbaut und ermöglicht
seitdem die Durchführung komplizierter herzchirurgischer Eingriffe. Der erste Bauabschnitt wurde in Fertigteilbauweise
errichtet und konnte schon Ende 1994 eingeweiht werden. Nach Plänen des Architekten Walter Tempel folgte im
Anschluss ein größerer Neubau an der Ecke Fetscher-/Pfotenhauerstraße. Träger des Zentrums ist der gemeinnützige Verein Herz-Kreislaufzentrum Dresden e.V. Medizinisch-Theoretisches Zentrum:
Die vor allem der medizinischen Forschung dienende Einrichtung entstand 2000 in einem Neubau an der Fiedlerstraße. Künftig ist die Erweiterung um ein zusätzliches Gebäude vorgesehen. Dafür soll die
benachbarte ehemalige Schuhcremefabrik “Eg-Gü” zu einem Forschungszentrum umgebaut werden. |